Am 18. und 19. Oktober 2013 war der New Yorker Bestsellerautor Louis Begley bei "Literatur im Nebel" in Heidenreichstein in der Margithalle zu Gast. Nach Salman Rushdie (2006), Amos Oz (2007), Jorge Semprun (2008), Margaret Atwood (2009), Hans Magnus Enzensberger (2010), Nuruddin Farah (2011) und Ljudmila Ulitzkaja (2012) war er der achte Ehrengast dieses Literaturfestivals im nördlichen Waldviertel.
Der Schriftsteller und Jurist im Ruhestand, Louis Begley, wurde am 6. Oktober 1933 in Stryi, damals zu Polen, heute zur Ukraine gehörig, geboren. Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde Stryi und das nahegelegene Lwów von russischen Truppen besetzt, 1941 von der deutschen Armee erobert. Begleys Vater, ein Arzt, musste sich den russischen Truppen anschließen und verbrachte die Kriegsjahre fast ausschließlich in Smarkand. Louis Begleyblieb als Einzelkind mit seiner Mutter in Stryi. Sie flüchteten mit falschen Papieren, die ihnen eine arische und katholische Identität verliehen, kurz vor der Errichtung des Ghettos in Stryi nach Lwów und weiter nach Warschau. Nach dem Aufstand im Warschauer Ghetto gab es in Krakau eine Familienzusammenführung mit Begleys Vater. Bis 1946 blieben sie in Krakau, nach wie vor unter falschem Namen und ohne ihre jüdische Identität preiszugeben.
Über Paris gelangte die Familie im März 1947 nach New York City und änderte ihren ursprünglichen Namen Begleiter in Begley. In Brooklyn besuchte Begley die Erasmus Hall High School und besuchte danach das College in Harvard. Das wiederum schloss er mit höchster Auszeichnung in Englischer Literatur ab, mit berühmten Kommilitonen an seiner Seite, wie zum Beispiel John Updike. Nach seinem Studium diente er in der amerikanischen Armee, zuletzt im deutschen Göppingen.
1956-59 studierte er mit größtem Erfolg an der berühmten Harvard Law School und arbeitete in der Folge als Rechtsanwalt.
Er heiratete 1956 Sally Higginson, von der er 1970 geschieden wurde. Mit seiner zweiten Ehefrau, der französischen Schriftstellerin Anka Muhlstein, lebt Louis Begley in New York. Louis Begleys drei Kinder sind alle künstlerisch tätig und leben in Paris, England und Amerika, die beiden Söhne von Anka Muhlstein in Tokyo und New York City mit insgesamt sieben Kindern, resp. Enkelkindern.
Spät verfasste Louis Begley seinen ersten Roman Lügen in Zeiten des Krieges während eines beruflichen Sabbaticals. Seine autobiographischen Erlebnisse in Polen unter der Herrschaft der Nazis als getarnter Jude aus der Sicht eines Jungen wurden 1991 zum großen Erfolg. Er blieb weiterhin als Anwalt tätig, steigerte aber seine schriftstellerische Produktivität. In schneller Abfolge erschienen Wie Max es sah (1995), Der Mann, der zu spät kam (1996), Schmidt (1997) wurde mit Jack Nicholson in der Titelrolle verfilmt und zum Welterfolg, Mistlers Abschied (1998), Schmidts Bewährung (2000), Schiffbruch (2003), Ehrensachen (2007), Der Fall Dreyfus (2009) und Schmidts Einsicht (2011).
Die Themen von Begleys Romanen kreisen nach seinem Erstling, der sich mit seiner konkreten Vergangenheit auseinandersetzt, hauptsächlich um die Situation und die Probleme der finanziellen Oberschicht und sind nicht selten in New England angesiedelt. Der berufliche Aufstieg und die damit verbundenen Fragen nach Macht und deren moralischen Komponenten, in Folge dessen auch des Machtverlusts, die Auflösung von Familienstrukturen, Fragen des Alters, der Vergänglichkeit und des Todes sind immer wiederkehrende Topoi, die Begley ohne Sentimentalität aber mit dem scharfen, analytischen Blick des Anwaltes untersucht und auf ihren Gehalt abklopft.
Als brillanter Essayist hinterfragt er die amerikanische Gegenwart und bringt sie uns näher. Unter seinen Auszeichnungen befinden sich unter anderem der PEN/Ernest Hemingway Fiction Award, der Prix Médicis Étranger, der Jeanette-Schocken-Preis, der American Academy of Arts and Letters Award, der Konrad Adenauer-Stiftung Literaturpreis. Louis Begley war Präsident des amerikanischen PEN Clubs von 1993-1995 und ist Chevalier de L’Ordre des Arts et Lettres.
Im Herbst 2013 erscheint sein neuester Roman Erinnerungen an eine Ehe.
Sondervorführung bei freiem Eintritt
"About Schmidt"
USA, 2002, nach dem Buch von Louis Begley
R: Alexander Payne
D: Jack Nicholson, Kathy Bates, u.a.
Verleih: Warner Brothers
EmU
Samstag, 19.10.2013
Beginn 11 Uhr
Margithalle Heidenreichstein
Eintritt frei, freie Platzwahl, beschränktes Platzangebot
Einlass ab 10.30h
Pressestimmen zu Literatur im Nebel 2013
Salzburger Nachrichten
Der Standard
ORF
Am 19. und 20. Oktober 2012 war die russische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja bei "Literatur im Nebel" in Heidenreichstein zu Gast.
Nach Salman Rushdie (2006), Amos Oz(2007), Jorge Semprun (2008), Margaret Atwood (2009), Hans Magnus Enzensberger (2010) und Nuruddin Farah (2011) ist sie der siebte Ehrengast dieses Literaturfestivals im nördlichen Waldviertel.
Ljudmila Ulitzkaja wurde am 23. Februar 1943 in Dawlekanowo - zugehörig zur Republik Baschkortostan, Russland - geboren. Ab ihrem zweiten Lebensjahr wuchs sie in Moskau auf, wo sie bis heute lebt. Sie studierte Biologie und arbeitete ab 1967 als Genetikerin am Akademieinstitut in Moskau, bis die Gruppe junger Wissenschaftler, mit denen sie forschte, 1969 wegen der illegalen Abschrift und Verbreitung von Samisdat-Literatur, mit der versucht wurde, die staatliche Zensur zu umgehen, aufgelöst und entlassen wurde. Nach Abschluss eines zweiten, geisteswissenschaftlichen Studiums verbrachte Ljudmila Ulitzkaja zwei Jahre als Assistentin des künstlerischen Leiters am "Jüdischen Kammermusiktheater", für das sie auch dramaturgische Arbeiten übernahm wie Programmhefte, diverse Artikel und auch Szenarien zu konzipieren und schreiben.
Ljudmila Ulitzkaja identifizierte sich nicht mit der jüdischen Religion, wie andere Teile ihrer Familie. Sie fühlte sich aber künstlerisch eingeschränkt, da das Judentum thematisch tabuisiert war. Nach zwei Jahren verließ sie das Theater und probierte sich freischaffend als Autorin, Publizistin und Übersetzerin zu etablieren, wurde aber von den sowjetischen Literaturzeitschriften lange Zeit abgelehnt. 1983 konnte sie trotz dieser Widerstände ihren ersten Erzählungsband im Staatlichen Kinderbuchverlag veröffentlichen.
Erst auf dem Umweg über Frankreich, wo Ende der achtziger Jahre erste Erzählungen von ihr erschienen, erlangte Ljudmila Ulitzkaja auch in Russland Aufmerksamkeit. Für ihre berühmteste Novelle Sonetschka, mit der ihr 1992 der internationale Durchbruch gelang, erhielt sie 1996 in Frankreich den Prix Médicis, 2001 wurde sie mit dem "russischen Booker Prize" für Reise in den siebenten Himmel ausgezeichnet. 2009 erhielt sie den Alexandr-Men-Preis für die interkulturelle Vermittlung zwischen Russland und Deutschland. Die Erzählungen und Romane von Ljudmila Ulitzkaja wurden in 17 Sprachen übersetzt, sie wird in Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden ebenso gelesen wie in Amerika, China und der Türkei.
Ihre Prosawerke sind oft im russischen Künstler- und Akademikermilieu angesiedelt, biblische und mythische Motive finden genauso Eingang wie auch aktuelle Fragestellungen betreffend Gentechnik, Ethos in der Wissenschaft und den Grenzen der Forschung.
Ihre Helden sind oftmals Heldinnen. Heldinnen des Alltags, Frauen, die in Traditionen und Familienkonstellationen verhaftet sind, aus denen es kaum ein Entrinnen gibt. Frauen, die aber weder mit ihrem Schicksal hadern, noch in Larmoyanz verfallen, sodass Ulitzkajas Erzühlungen nicht ins Rührselige kippen. Das liegt daran, dass ihr Blick auf diese Heldinnen zwar emphatisch ist, aber immer auch mit Ironie unterlegt. Aber auch mit ihren männlichen Protagonisten wie Daniel Stein oder Schurik setzt sie sich genauso akribisch auseinander.
Ljudmila Ulitzkaja gilt als eine wichtige Stimme Russlands, gerade auch in der jetzigen politischen Situation.
In deutscher Sprache sind von Ludmila Ulitzkaja erschienen:
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1992
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Russische Erzählungen
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1994
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Zarte und grausame Mädchen
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1997
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Medea und ihre Kinder
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Sonetschka
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1998
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Ein fröhliches Begräbnis
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1999
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Olgas Haus
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2001
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Reise in den Siebenten Himmel
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2003
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Die Lügen der Frauen. Erzählungen
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2005
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Ein glücklicher Zufall und andere Kindergeschichten. Jugendbuch
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Ergebenst, Euer Schurik. Roman
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2006
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Daniel Stein, Roman
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2007
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Maschas Glück. Erzählungen
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2012
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(voraussichtlich ab 27.8.) Das grüne Zelt
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Alle deutschen Übersetzungen: Ganna-Maria Braungardt
Vortrag von Nina L. Khrushcheva (PDF)
Biografie Ljudmila Ulitzkaja
Am 21. und 22. Oktober 2011 wird der somalische Schriftsteller Nuruddin Farah bei "Literatur im Nebel" in Heidenreichstein zu Gast sein.
Nach Salman Rushdie, Amos Oz, dem vor kurzem verstorbenen Jorge Semprún, Margaret Atwood und Hans Magnus Enzensberger ist er der sechste Ehrengast dieses Literaturfestivals im nördlichen Waldviertel.
Nuruddin Farah ist einer der bedeutendsten Schriftsteller Afrikas. Der Großteil seines Werkes widmet sich dem Zerfall des Staates Somalia und dem Kampf seiner Einwohner um das nackte Überleben. Motive und Auswirkungen der Gewalt und Unterdrückung in all ihren Spielformen - insbesondere auch gegen die Frauen - beschreibt er akribisch und stellt dagegen Werte wie Freiheit, Unabhängigkeit und soziale Verantwortung.
Farah schildert das heutige Leben in Afrika eindringlich, packend und klarsichtig. Einerseits aus der Perspektive des Exilanten, der gebürtiger Somalier lebt seit vielen Jahren in der Diaspora, andererseits aber mit schriftstellerischen Mitteln, die seine Herkunft aufzeigen und mitten in das Herz Afrikas zielen.
In den ersten Tagen nach der Flucht hat das Leben von Flüchtlingen etwas Gehetztes, da die Unermesslichkeit ihres Verlusts sie völlig unvorbereitet trifft. Zuerst beherrscht ihre Gedanken nur die Gnadenlosigkeit des Überlebens. Sie scharen sich zusammen, versammeln sich im Schatten eines Baums oder im Schein eines Lampenmasts, dem neuen Totempfahl ihrer Zusammengehörigkeit. Die Flüchtlinge ergehen sich in traurigen Erinnerungen. Sie wenden Millionen Arbeitsstunden Flüchtlingszeit für Introspektion und Selbstanalyse auf; dementsprechend fühlen sie sich am Ende des Tages depressiver als beim Erwachen. Flüchtling zu sein heißt lebensmüde zu sein. Wenden sich deshalb so viele religiösen Gedanken zu und grübeln über den Fluch nach, der sie und ihr Land heimgesucht hat? Später, in den kurzen Nachtstunden, geben viele in der Privatsphäre der Finsternis, in der ihnen nur die Schlaflosigkeit zuhört, sich selbst ihre geheimen Nöte und Ängste kund. Auf diese Art verarbeiten sie, was sie quasi unbewusst getan haben. Endlich begreifen sie, dass sie Kismayo, die Küstenstadt im Süden, als Somalis verlassen haben und in Mombasa als »Flüchtlinge« angekommen sind. Nur eine viertägige Seereise trennt sie physisch von Somalia, doch die Entfernung wächst, wenn sie in der Erinnerung durchmessen wird. Sie haben wohl, als sie Kismayo verließen und staatenlos in Kenia ankamen, die Brücken gesprengt, die sie mit ihrem Land verbanden."
Nuruddin Farah aus: Yesterday, Tomorrow; Stimmen aus der somalischen Diaspora, Suhrkamp Verlag, 2000
Hie und da kommt es vor,
daß einer um Hilfe schreit.
Schon springt ein andrer ins Wasser,
vollkommen kostenlos.
Mitten im dicksten Kapitalismus
kommt die schimmernde Feuerwehr
um die Ecke und löscht, oder im Hut
des Bettlers silbert es plötzlich.
Vormittags wimmelt es auf den Straßen
von Personen, die ohne gezücktes Messer
hin- und herlaufen, seelenruhig,
auf der Suche nach Milch und Radieschen.
Wie im tiefsten Frieden.
Ein herrlicher Anblick.
Hans Magnus Enzensberger, Leichter als Luft; Moralische Gedichte, 1999
Am 22. und 23. Oktober 2010 wird der deutsche Dichter, Schriftsteller, Essayist, Herausgeber, Übersetzer und Redakteur Hans Magnus Enzensberger bei "Literatur im Nebel" in Heidenreichstein zu Gast sein.
Nach Salman Rushdie (2006), Amos Oz (2007), Jorge Semprún (2008) und Margaret Atwood (2009) ist er der fünfte Ehrengast dieses Literaturfestivals im nördlichen Waldviertel.
Wie schon anhand seiner Berufsbezeichnungen offensichtlich wird, ist das Werk von Hans Magnus Enzensberger ein äußerst breit gefächertes. Als brillanter Essayist wurde Enzensberger, der am 11. November 1929 in Kaufbeuren im Allgäu geboren wurde, rasch zum Star der jungen Schriftstellergeneration um Günther Grass, Ingeborg Bachmann und Peter Rühmkorf. Er war nicht Mitglied aber ständiger Gast der Gruppe 47, zu deren Treffen sich nahezu alle wegweisenden deutschen Autoren und Autorinnen einfanden, von Heinrich Böll über Paul Celan bis zu Ilse Aichinger, Uwe Johnson und unzähligen anderen.
99 Fragen an Hans Magnus Enzensberger:
www.zeit.de/2010/33/99-Fragen-Enzensberger
Bereits im Alter von 33 Jahren erhielt Hans Magnus Enzensberger die höchste deutsche Literatur-Auszeichnung, den Georg-Büchner-Preis.
Obwohl Enzensberger also sehr früh und schnell eine anerkannte intellektuelle Institution der Bundesrepublik Deutschland wurde, vermied er alle repräsentativen Rollen. Er wollte keine moralische Instanz sein und kein "linkes Gewissen". Er blieb ein Freigeist und wechselte konsequent die Positionen, wenn er dazu Veranlassung hatte. Dafür wurde und wird er nach wie vor kritisiert, was ihn in seinem Tun nur zu bestätigen scheint.
Hans Magnus Enzensberger entstammt einer bürgerlichen Familie und ist in Nürnberg aufgewachsen. Sein Vater war Oberpostdirektor, die Mutter Kindergärtnerin. Seine drei jüngeren Brüder sind der Anglist Christian, der Autor Ulrich, der auch als Gründungsmitglied der legendären Berliner Kommune I bekannt geworden war und der bereits verstorbene Martin Enzensberger.
Enzensberger wurde gezwungen der Hitlerjungend beizutreten, von der er aber aufgrund seines widerspenstigen Verhaltens wieder ausgeschlossen wurde. Von 1949 bis 1954 studierte er Literaturwissenschaft, Sprachen und Philosophie in Erlangen, Hamburg, Freiburg/Br. und Paris. Zusammen mit Alfred Andersch arbeitete er von 1955 bis 1957 in der Redaktion von "Radio Essay" des Süddeutschen Rundfunks Stuttgart, wo er durch kritische Beiträge einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde.
1957 erschien sein erster Gedichtband verteidigung der wölfe, der ihm die Bezeichnung "zorniger junger Mann" von Alfred Andersch eintrug und den Grundstein für sein einzigartiges lyrisches Schaffen legte. Hier wie auch in den folgenden Werken rechnet er in einem direkten, fast aggressiven Stil unter anderem mit der rückständigen Politik der Adenauer-Ära ab. Damit positioniert Enzensberger die Lyrik nicht als Form für Gefühlsergüsse, sondern als politisches, theoretisches und ideelles Medium.
Im gleichen Jahr zog Enzensberger als freier Schriftsteller nach Stranda (Norwegen), wechselte 1959 für ein Jahr nach Lanuvio bei Rom, arbeitete 1960 als Lektor beim Suhrkamp Verlag in Frankfurt/Main um sich dann 1961 auf Tjøme, eine Insel im Oslofjord, zurückzuziehen. Mit dem 1960 herausgegebenen Museum der modernen Poesie im Suhrkamp Verlag beginnt seine herausragende Herausgeber- und Übersetzertätigkeit, die den deutschen Lesern viele bis dahin unbekannte Autoren wie William Carlos Williams, Fernando Pessoa, Pablo Neruda oder Lars Gustafsson nahebringt. Eine Fellowship an der Wesleyan University brach er 1968 unter Protest gegen die US-Außenpolitik ab und ging für ein Jahr nach Kuba. Von 1965 bis 1975 gab Enzensberger die Zeitschrift Kursbuch heraus, mit der er zu einer Orientierungsfigur der Studentenbewegung wurde.
Ab Mitte der Sechzigerjahre verlagerte sich Hans Magnus Enzensbergers Interesse immer mehr von der Poesie zu Politik. Im Zuge dessen beschäftigte er sich stark mit dokumentarischer Literatur und verstärkte seine essayistische Arbeit. Er erweiterte sein Tätigkeitsfeld und war für die Oper als Librettist, das Theater, das Fernsehen und weiterhin für den Rundfunk tätig. In diesen Medien setzte er sich auch mit den Medien selbst auseinander. Seine Medienkritik gipfelte in dem Essay "Baukasten zu einer Theorie der Medien", den er 1970 verfasste. Darin greift er vor allem das Fernsehen an, dem er eine Steuerungs- und Kontrollmacht über die Gesellschaft zuschreibt und fordert einen emanzipatorischen Mediengebrauch.
Neben einer erneuten kontinuierlichen Gedichtproduktion ab den Siebzigerjahren erschienen auch weiterhin zahlreiche Essaybände zu den Themen Migration, Bürgerkrieg, Lyrik, Mathematik und Intelligenzforschung. Unter den Gedichten sticht das Versepos Der Untergang der Titanic (1978) heraus.
1980 gründete er mit Gaston Salvatore das Kulturmagazin TransAtlantik, das er 1982 wieder verließ. Von 1985 bis 2007 gab er zusammen mit Franz Greno die Buchreihe Die Andere Bibliothek heraus. Singulär ist diese Edition sowohl in ästhetischer als auch in inhaltlicher Hinsicht: Allmonatlich erscheint eine literarische Kostbarkeit, darunter deutsche Erstausgaben hierzulande unbekannter ausländischer Autoren, Originalausgaben als auch Klassiker. Auch mit seinen Kinderbüchern - Zupp, Der Zahlenteufel, Estherhazy, Wo warst du, Robert?, Bibs - ist Hans Magnus Enzensberger sehr erfolgreich. Er veröffentlichte unter den Pseudonymen Andreas Thalmayr, Linda Quilt, Elisabeth Ambras sowie Serenus M. Brezengang.
Bis zum heutigen Tag ist Hans Magnus Enzensberger eine unerlässliche Stimme im politischen Diskurs und es gelingt ihm immer wieder, wichtige kulturelle und politische Debatten anzustoßen. In seinem Buch Schreckens Männer; Versuch über den radikalen Verlierer (2006) beschäftigt er sich mit Gewalttätern, die ihrem eigenen und dem Leben möglichst vieler anderen ein Ende machen. Enzensberger dazu: "Man muß nicht alles verstehen, aber ein Versuch kann nicht schaden". Jenseits der Ideologie sucht er nach Gemeinsamkeiten zwischen dem Amokläufer und dem islamistischen Selbstmordattentäter.
Sein oftmals als Zickzackkurs beschriebener ideologischer Weg wurde in den vielen Würdigungen zu seinem 80.Geburtstag 2009 nicht mehr wie früher oftmals negativ, sondern als "prinzipielle Zustimmungsverweigerung", ja sogar als "frühe Postmoderne" beurteilt und geschätzt. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt Hans Magnus Enzensberger 1962 und 1978 den Deutschen Kritikerpreis, 1963 den Georg-Büchner-Preis, 1985 den Heinrich-Böll-Preis, 1998 den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf, 2002 den Prinz-von-Asturien-Preis, 2006 den Premio d’Annunzio für sein Gesamtwerk und 2009 den dänischen Sonning-Preis.
verteidigung der wölfe, 1957
landessprache, 1960
Gedichte. Die Entstehung eines Gedichts, 1962
blindenschrift, 1964
Mausoleum. 37 Balladen aus der Geschichte des Fortschritts, 1975
Der Untergang der Titanic. Eine Komödie, Versepos, 1978
Die Furie des Verschwindens, 1980
Zukunftsmusik, Gedichte, 1991
Kiosk. Neue Gedichte, 1995
Leichter als Luft. Moralische Gedichte, 1999
Die Geschichte der Wolken. 99 Meditationen, 2003
Rebus, 2009
Brentanos Poetik, 1961 (Druckfassung der Diss. Erlangen 1955)
Einzelheiten I & II, 1962
Politik und Verbrechen, 1964
Deutschland, Deutschland unter anderem, 1967
Staatsgefährdende Umtriebe, Rede zur Verleihung des Nürnberger Literaturpreises, 1968
Palaver. Politische Überlegungen 1967-1973, 1974
Politische Brosamen, 1982
Ach, Europa! Wahrnehmungen aus sieben Ländern, 1987
Mittelmaß und Wahn. Gesammelte Zerstreuungen, 1988
Die Große Wanderung, 1992
Aussichten auf den Bürgerkrieg, 1993
Zickzack, Aufsätze, 1997
Zugbrücke außer Betrieb: Die Mathematik im Jenseits der Kultur (d/e), 1999
Nomaden im Regal, 2003
Lyrik nervt! Erste Hilfe für gestresste Leser, 2004 (unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr)
Heraus mit der Sprache. Ein bisschen Deutsch für Deutsche, Österreicher, Schweizer und andere Aus- und Inländer, 2005 (unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr)
Schreckens Männer - Versuch über den radikalen Verlierer, 2006
Im Irrgarten der Intelligenz, 2007
Fortuna und Kalkül - Zwei mathematische Belustigungen, 2009
Das Verhör von Habana, 1970
Der kurze Sommer der Anarchie. Buenaventura Durrutis Leben und Tod, 1972
Der Weg ins Freie. Fünf Lebensläufe, 1975
Heiss & Kalt, Erotische Erzählungen, 1987 (unter dem Pseudonym Elisabeth Ambras)
Josefine und ich - Eine Erzählung, 2006
Schauderhafte Wunderkinder, 2006 (unter dem Pseudonym Linda Quilt)
Hammerstein oder der Eigensinn, Biographie, 2008
Der Menschenfreund, 1984
Diderot und das dunkle Ei, 1990
Die Tochter der Luft, 1992
El Cimarrón. Biographie des geflohenen Sklaven Esteban Montejo, 1972.
Nieder mit Goethe! / Requiem für eine romantische Frau, 1995.
Zupp, mit Gisela Andersch, 1958
Estherhazy, mit Irene Dische, illustriert von Michael Sowa, 1993
Der Zahlenteufel, illustriert von Rotraut Susanne Berner, 1997
Wo warst du, Robert?, Roman, 1998
Bibs, illustriert von Rotraut Susanne Berner, 2009
Erinnerungen an die Zukunft, 1988
Der Fliegende Robert. Gedichte, Szenen, Essays, 1989
Mit freundlichen Grüßen, 1993
Diderots Schatten. Unterhaltungen, Szenen, Essays, 1994
Geisterstimmen, 1999
Die Elixiere der Wissenschaft. Seitenblicke in Poesie und Prosa, 2002
Dialoge zwischen Unsterblichen, Lebendigen und Toten, 2004
Clemens Brentano: Gedichte, Erzählungen, Briefe (als Hrsg.), 1958
Die Denunziation des Tourismus, (als Hrsg.) 1959
Museum der modernen Poesie (als Hrsg.), 1960
Allerleirauh. Viele schöne Kinderreime (als Hrsg.) 1961
Vorzeichen. Fünf neue deutsche Autoren (als Hrsg.), 1962
Georg Büchner, Ludwig Weidig: Der Hessische Landbote. Texte, Briefe, Prozeßakten (als Hrsg.), 1965
Bartolomé de las Casas: Kurzgefaßter Bericht von der Verwüstung der Westindischen Länder (als Hrsg.), 1966
Freisprüche. Revolutionäre vor Gericht, 1970
Klassenbuch (als Mithrsg.), 1972
Gespräche mit Marx und Engels, 1973
Das Wasserzeichen der Poesie oder Die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen (unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr), 1985
Europa in Trümmern/Europa in Ruinen, 1990
Nie wieder! Die schlimmsten Reisen der Welt (als Hrsg.), 1995
Eine literarische Landkarte, 1999
Biografie Hans Magnus Enzensberger
Margaret Atwood
Am 17. und 18. Oktober 2009 wird Heidenreichstein, abseits des Festspielkalenders und nach dem erfolgreichen Auftakt mit Salman Rushdie 2006, sowie Amos Oz 2007 und Jorge Semprun 2008, wieder zum kulturellen Fixpunkt der Region, mit einem Literaturfest für und rund um eine hervorragende Autorin.
Margaret Atwood ist nicht nur Kanadas berühmteste Schriftstellerin und eine international hoch dekorierte Autorin, deren Werke in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden, sie ist auch Lyrikerin, Kritikerin, Feministin, Umwelt- und Gesellschaftsaktivistin.
Margaret Atwood wurde als zweites von drei Kindern am 18.11.1939 in Ottawa, Kanada, geboren. Ihr Vater war Entomologe, ihre Mutter Ernährungswissenschafterin. Die Kindheit verbrachte Atwood zwischen Ottawa, Sault Ste. Marie und Toronto, da ihr Vater die Insekten verschiedenster Landstriche Kanadas erforschte und die Familie mit ihm zog.
Seit ihrer frühesten Jugend war Margaret Atwood fasziniert von Büchern und Literatur, als Kind verschlang sie Märchen, Fabeln, Comics, Tier- und Gruselgeschichten, die nicht ohne Wirkung auf ihr späteres Werk blieben. Mit 16 stand ihr Berufswunsch fest, sie wollte Schriftstellerin werden. 1957 begann sie in Toronto Englisch, Philosophie und Französisch zu studieren und wechselte später nach Harvard ans Radcliffe College, wo sie ihr Studium 1962 abschloss. Atwood unterrichtete als Literaturwissenschaftlerin an Universitäten in British Columbia, Montreal, Alberta, Toronto und New York. Sie lebte in Italien, Frankreich und Deutschland. Seit 1980 lebt Margaret Atwood nördlich von Toronto mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Graeme Gibson, und ihrer gemeinsamen Tochter.
Margaret Atwood ist vor allem als Romanautorin bekannt, auch von sogenannter "Science-fiction". Sie hat sich immer gegen diese Klassifizierung ihrer Romane "Der Report einer Magd" (1989 verfilmt von Volker Schlöndorff) und "Oryx und Crake" gewehrt. Sie meint dazu: "In Science-fiction kommen Monster und Raumschiffe vor. Hingegen kann das, was in spekulativer Prosa vorkommt - und in diese Schublade würde ich diese zwei Romane stecken - wirklich passieren." Trotzdem erhielt "Der Report einer Magd" 1986 den Arthur C. Clarke Award für die beste Science-fiction-Prosa.
Margaret Atwood wurde schnell auch als scharfzüngige Literaturkritikerin und -wissenschafterin bekannt. Ihr großes Interesse an kanadischer Geschichte und Literatur mündet in einigen Standardwerken ( zB "Survival: A thematic guide to Canadian Literature", 1972) und findet auch in ihrem Prosawerk Niederschlag, in den historischen, halb-fiktionalen Büchern wie "The Journals of Susanna Moodie"(1970), "Alias Grace" (1996) und "Der blinde Mörder" (2000).
Margaret Atwood beschäftigt sich seit Beginn ihrer schriftstellerischen Karriere mit vielen gesellschaftspolitischen Themen, vor allem mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft wie in ihren Werken "Die essbare Frau" (1985), "Die Unmöglichkeit der Nähe"(1979), "Die Räuberbraut" (1993), und "Penelopiade" (2005).
Neben den feministischen Standpunkten, die sie in ihrer Prosa vertritt, wendet sie sich auch anderen Brennpunkten zu, wie in ihrer neusten Veröffentlichung "Payback" (2009) der internationalen Finanzkrise.
Margaret Atwood und ihr Mann Graeme Gibson sind engagierte Mitgliederder "Green Party of Canada" und leben nach ihren umweltpolitischen Überzeugungen.
In den letzten Jahren wurde Margaret Atwood auch als Kinderbuchautorinpopulär. Mit wunderbarem Humor schrieb sie unter anderem "Prinzessin Prunella und die purpurne Pflaume" (1995), "Rotznase Ramsay und die röhrenden Radieschen" (2005).
Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt Margaret Atwood für ihren Roman "Der blinde Mörder" (The Blind Assassin) im Jahr 2000 den Booker-Preis. 2008 wurde sie in Spanien für ihr Lebenswerk mit dem Prinz-von-Asturien-Preis ausgezeichnet.
1969 (D: 1985) Die essbare Frau (The Edible Woman)
1972 (D: 1978) Der lange Traum / Strömung (DDR) (Surfacing)
1976 (D: 1984) Lady Orakel (Lady Oracle)
1979 (D: 1980) Die Unmöglichkeit der Nähe (Life before Man)
1981 (D: 1982) Verletzungen (Bodily Harm)
1985 (D: 1987) Der Report der Magd (The Handmaid’s Tale)
1988 (D: 1990) Katzenauge (Roman) (Cat’s Eye)
1993 (D: 1994) Die Räuberbraut (The Robber Bride)
1996 (D: 1996) Alias Grace (Alias Grace) 1974 schrieb Atwood zum gleichen Thema das Fernsehspiel The Servant Girl (Das Dienstmädchen)
2000 (D: 2000) Der blinde Mörder (The Blind Assassin)
2003 (D: 2003) Oryx und Crake (Oryx and Crake)
2005 (D: 2005) Die Penelopiade (The Penelopiad)
2008 (D: 2009) Payback
1978 (D: 1979) Unter Glas (Dancing Girls and other stories)
1983 (D: 1993) Die Giftmischer: Horror-Trips und Happy-Ends
(Murder in the Dark)
1989 (D: 1994) Der Salzgarten (Bluebeardös Egg)
1991 (D: 1991) Tips für die Wildnis (Wilderness Tips)
1992 (D: 1995) Gute Knochen (Good Bones)
2006 (D: 2006) Das Zelt (The Tent)
2008 (D: 2008) Moralische Unordnung (Moral Disorder)
1981 True Stories (1999 deutsche Ausgabe: Wahre Geschichten)
1995 Morning in the Burned House (1999 deutsche Ausgabe: Ein Morgen im verbrannten Haus)
1978 Hoch oben im Baum (Up In The Tree)
1995 Prinzessin Prunella und die purpurne Pflaume
(Princess Prunella and the Purple Peanut)
2005 Rotznase Ramsay und die röhrenden Radieschen
(Rude Ramsay and the Roaring Radishes)
2006 Der befangene BOB und die traurige THEODORA
(Bashful Bob and Doleful Dorinda)
Jorge Semprún
Literatur im Nebel versteht sich als Literaturfest für und rund um einen hervorragenden Autor, das abseits des Festspielkalenders heuer zum dritten Mal stattfindet. Nachdem Salman Rushdie und Amos Oz in den letzten beiden Jahren der Einladung von Literatur im Nebel nach Heidenreichstein im nördlichen Waldviertel gefolgt sind freuen wir uns sehr, dass wir mit unserem diesjährigen Gast Jorge Semprún einen großen Schriftsteller und Intellektuellen präsentieren dürfen, dessen Werk und Biographie die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt. Der gebürtige Spanier mit Wohnsitz in Paris und Madrid verarbeitet in vielschichtigen literarischen Darstellungen insbesondere seine persönlichen Erfahrungen aus der Résistance und aus dem Konzentrationslager Buchenwald. Die jahrelange illegale Tätigkeit als Chefagent der kommunistischen Partei im antifranquistischen Kampf und der spätere Ausschluss aus der Partei, sein Leben im Exil und sein Wirken als spanischer Kulturminister unter Felipe González lassen ihn zum Kronzeugen im Zeitalter der Extreme werden.
Jorge Semprún hat nicht nur mit seiner belletristischen Arbeit, sondern auch als Drehbuchautor Weltruhm erlangt. Er schrieb unter anderem für den Regisseur Costa-Gavras das Drehbuch für "Z" und "L´aveu", für Alain Resnais "La guerre est finie" und "Stavisky", für Yves Boisset "L´attentat" und für Perre Granier-Deferre "Une femme à sa fenêtre".
Sein literarisches Schaffen wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1994, dem Weimar-Preis 1995, dem Literaturpreis der Menschenrechte 1995, dem Jerusalem-Preis 1997, dem Premio Nonino 1999, dem rumänischen Ovid-Preis 2002, der Goethe-Medaille 2003, dem spanischen Literaturpreis der Jose-Manuel-Lara Stiftung 2004, dem Bruno Kreisky-Preis für sein Gesamtwerk 2005 und dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2006.
Zu den wichtigsten Werken des 1923 in Madrid geborenen Jorge Semprúnzählen "Die große Reise" (1963), "Der 2.Tod des Ramón Mercader" (1974), "Federico Sánchez: Eine Autobiographie (1978)", "Was für ein schöner Sonntag!" (1981), "Yves Montand: Das Leben geht weiter" (1984), "Algarab'a oder Die neuen Geheimnisse von Paris" (1985), "Der weiße Berg" (1986), "Netschajew kehrt zurück" (1989), "Europas Linke ohne Utopien" (1994), "Federico Sánchez verabschiedet sich" (1994), "Schreiben oder Leben" (1995), "Schweigen ist unmöglich" (1997), "Unsere allzu kurzen Sommer" (1999), "Die Ohnmacht" (2000), "Der Tote mit meinem Namen" (2002), der Essayband "Blick auf Deutschland" (2003) und "Was es heißt, Europäer zu sein", das er 2006 zusammen mit Dominique de Villepin verfasste. 1999 wurde das Theaterstück "Bleiche Mutter, zarte Schwester" in Weimar uraufgeführt.
Biografie Jorge Semprún
Biografie Costa-Gavras
Amos Oz
Nach dem vielbeachteten Auftakt von Literatur im Nebel mit Salman Rushdie im vergangenen Herbst wird Heidenreichstein im nördlichen Waldviertel erneut zum Schauplatz für dieses Literaturfest, das sich - abseits des Festspielkalenders - als Fest für und rund um einen herausragenden Schriftsteller versteht.
Dieses Jahr konnte der international bekannteste israelische Schriftsteller Amos Oz (zur Biografie) gewonnen werden, dessen Werk vielfach ausgezeichnet wurde. (zum Werkverzeichnis)
Amos Oz ist gleichermaßen Romancier wie auch als Gründungsmitglied der Friedensbewegung Peace Now politisch denkender und agierender Zeitgenosse. (zum Essay)
In beiden Funktionen ist er als Analytiker der israelischen Geschichte und Gegenwart unverzichtbar. Mit unserem Programm wollen wir seiner stilistischen und inhaltlichen Vielfalt und Virtuosität gerecht werden.
Prominente Künstlerinnen und Künstler haben ihre Teilnahme bereits zugesagt, darunter Klaus Amann, Senta Berger, Andrea Eckert, Gustav Ernst, Sabine Gruber, Silke Hassler, Peter Henisch, Bettina Hering, Paulus Hochgatterer, Gert Jonke, Brigitte Karner, Roland Koch, Dietmar König, Karl Markovics, Eva Mattes, Anna Mitgutsch, Elisabeth Orth, Anita Pollak, Doron Rabinovici, Thomas Sautner, Robert Schindel, Ben Segenreich, Gerhild Steinbuch, Peter Turrini.
Salman Rushdie
Wenn sich im Herbst der Nebel über das nördliche Waldviertel senkt, verleitet dies zur Introspektion. Zum Nachspüren. Zum genaueren Hinhören.
Heidenreichstein ist Austragungsort eines neuen Literaturfestivals. Abseits des geläufigen Veranstaltungskreises, zu einem Zeitpunkt, der abseits des Festspielkalenders liegt.
"Literatur im Nebel", kommenden Oktober erstmals ausgetragen, versteht sich als Fest für und rund um herausragende Schriftsteller. Zum Auftakt konnte ein Weltstar der Literatur gewonnen werden: Salman Rushdie.
Am 18. und 19. Oktober 2006 werden in Lesungen, Vorträgen und Diskussionen Schwerpunkte seiner literarischen Arbeit besprochen. Prominente Künstlerinnen und Künstler haben ihre Teilnahme bereits zugesagt, darunter Senta Berger, Andrea Eckert, Monika Helfer, Michael Köhlmeier, Robert Menasse, Erika Pluhar, Robert Schindel und Peter Turrini.
ORF / 3sat wird als Kooperationspartner eine Dokumentation über das Literaturfestival "Literatur im Nebel" produzieren, in der Salman Rushdie als Protagonist durch die Sendung führt.
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