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2015 Literatur im Nebel 2015 Christoph Hein Literatur im Nebel 2015 Christoph Hein

Der deutsche Schriftsteller, Dramatiker, Übersetzer und Essayist Christoph Hein wurde am 8. April 1944 in Heinzendorf in Schlesien geboren. Nach der Flucht der Familie wuchs er in Bad Düben bei Leipzig auf. Sein Vater war Pfarrer. Aufgrund der väterlichen Profession erhielt Christoph Hein keine Zulassung für das Abitur in der ehemaligen DDR. Er wechselte deshalb 1958 als Internatsschüler auf ein Gymnasium in West-Berlin, das er ohne Abschluss verlassen musste, da der Mauerbau ihm einen weiteren Aufenthalt verunmöglichte.
In den 60er Jahren arbeitete Christoph Hein als Kellner, Montagearbeiter, Buchhändler, Schauspieler in kleineren Rollen und Regieassistent. Es gelang ihm 1964 das Abitur in einer Abendschule nachzuholen. Darauf folgte ein Studium der Philosophie und Logik in Leipzig.
Nach dem Studium war Hein unter der Intendanz von Benno Besson Dramaturg und gemeinsam mit Heiner Müller Hausautor an der Ostberliner Volksbühne. Sein erstes Stück, Schlötel oder Was solls, wurde 1974 mit großem Erfolg uraufgeführt. 1979 verließ er mit Benno Besson die Volksbühne und arbeitet seitdem als freier Schriftsteller. 

Seine Erzählungen unter dem Titel Einladung zum Lever Bourgeois begründeten seinen schriftstellerischen Ruhm, es folgte unmittelbar die Novelle Der fremde Freund/ Drachenblut. Schon in diesen ersten Werken stellten die literarischen Figuren indirekt Fragen nach individuellen und politischen Veränderungen, nachdem sie als Intellektuelle sich in keinem System mehr zuhause fühlten.

Christoph Hein positionierte sich von Beginn an als Schriftsteller dezidiert politisch. Parallel zu seinem Schreiben forderte er als Bürger der DDR diesen Staat immer wieder heraus. Bereits 1987 forderte er mit Günter de Bruyn die Abschaffung der Zensur. 1989 hielt er auf dem Berliner Alexanderplatz im Rahmen der Kundgebung des Verbandes der Kulturschaffenden vor einem Millionenpublikum eine wegweisende Rede. Seine bürgerrechtlichen Aktivitäten endeten nicht mit dem Mauerfall. Auch im wiedervereinten Deutschland meldet sich Christoph Hein regelmäßig öffentlich zu Wort, so protestierte er gegen den Golfkrieg und setzt sich immer wieder gegen ausländerfeindliche Tendenzen in Deutschland auseinander.

Sein vieldiskutierter Roman Horns Ende (1985) verweist auf die nationalsozialistische Vorgeschichte der DDR, ein ungern gesehenes Thema, Der Tangospieler porträtiert einen aufgrund von absurden Vorwürfen verhafteten Historiker, der nach seiner Haftentlassung schwer ins Leben zurückfindet, für die Staatssicherheit ein gefundenes Fressen ist und wieder ins System eingeschleust wird, weil sich die politischen Vorzeichen geändert haben. 

1989 erhält Hein einen Poetik-Lehrstuhl an der Folkwang Universität in Essen. Als jahrelanger Mitherausgeber der Zeitung "Freitag. Die Ost-West Wochenzeitung" beschäftigte Hein sich mit der deutsch-deutschen Gegenwart auch feuilletonistisch. 1998 bis 2000 war Christoph Hein Präsident des vereinigten deutschen P.E.N. Zentrums, seit 2014 ist er Ehrenmitglied.

Als Molière und Racine Übersetzer ist er im dramatischen Fach tätig, das er die ganzen Jahre mit vielgespielten Theaterstücken genauso sein eigen nennt. Legendär die Uraufführung seines Stückes Die Ritter der Tafelrunde 1989 am Staatsschauspiel Dresden, das als Abgesang auf die politische Leitung verstanden und frenetisch gefeiert wurde.
Christoph Hein wurde 2004 vom damaligen Kultursenator Thomas Flierl als designierter Intendant des Deutschen Theaters Berlin ab 2006/2007 der Presse vorgestellt, trat aber vor seinem Antritt von seinem Amt zurück. Ein kulturpolitischer Sturm, gepaart mit massiven Vorverurteilungen und einer schwierigen Haushaltslage verunmöglichten Hein die Intendanz.

Mit der Verfilmung des Romans Willenbrock durch den Regisseur Andreas Dresen wurde Christoph Hein einem breiten Publikum bekannt.Mit In seiner frühen Kindheit ein Garten widmete sich Hein einem Kapitel bundesdeutscher Geschichte um einen ehemaligen RAF Terroristen, der erschossen wird und dessen Tod einen politischen Skandal ausläst. In Landnahme, Frau Paula Trousseau und Weiskerns Nachlass finden sich kämpferische Protagonisten, die sich ihre Lebenswelt hart erarbeiten.Mit seinem neuesten Band Vor der Zeit: Korrekturen wendet sich Hein der Alten Welt zu, um sie als Referenz für die Neue Welt zu nehmen.

Der vielfach ausgezeichnete Christoph Hein hat zwei Söhne, von denen der Arzt Jakob Hein auch als Schriftsteller bekannt geworden ist. Seine verstorbene erste Frau Christiane Hein war eine arrivierte Filmregisseurin. Hein ist in zweiter Ehe mit der Opernsängerin Maria Husmann verheiratet und lebt in Berlin und Brandenburg.

Auszeichnungen 

1982: Heinrich-Mann-Preisder Akademie der Künste der DDR 
1983: Deutscher Kritikerpreis 
1986: Mara-Cassens-Preis des Hamburger Literaturhauses für den Ersten Roman
1989: Stefan-Andres-Preis (Stadt Schweich an der Mosel)
1989: Lessing-Preis der DDR (Ministerium für Kultur)
1990: Erich-Fried-Preis (Wien)
1992: Ludwig-Mühlheim-Preis für religiöse Dramatik
1992: Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung
1994: Bundesverdienstkreuz
1998: Peter-Weiss-Preisder Stadt Bochum 
2000: Solothurner Literaturpreis
2000: Zonser Hörspielpreis
2002: Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur
2003: Calwer Hermann-Hesse-Stipendium
2004: Schiller-Gedächtnispreis des Landes Baden-Württemberg
2004: Ver.di-Literaturpreis Berlin-Brandenburg
2008: Walter-Hasenclever-Literaturpreis
2010: Eichendorff-Literaturpreis
2011: Gerty-Spies-Literaturpreis
2012: Uwe-Johnson-Preis
2013: Internationaler Stefan-Heym-Preis

Programm

  • Freitag 16. Oktober 2015
    • 17 bis 19.30 Ihr Der fremde Freund / Drachbenblut
      • Kurzer Ausschnitt mit Thomas Thieme, Julia von Sell, Elisabeth Orth, Andrea Schurian aus John D.
      • Begrüßung Andrea Schurian
      • Der Stoff ist der Autor selbst (aus: Öffentlich arbeiten) mit Julia von Sell, Elisabeth Orth, Thomas Thieme
      • Nachtfahrt und früher Morgen mit Jakob Hein
      • Drachenblut/Der fremde Freund mit Valerie Fritsch und Florian Teichtmeister
      • Jakob Hein über Christoph Hein
      • Christoph Hein und Hartmut Rosa im Gespräch
    • 20.15 bis 22 Uhr Willenbrock
      • Brief an Sarah (aus: Als Kind habe ich Stalin gesehen) mit Elisabeth Orth 
      • Horns Ende mit Julia von Sell, Felix Mitterer, Tomas Zierhofer-Kin
      • Willenbrock mit Thomas Thieme
  • Samstag 17. Oktober 2015
    • 17.10 bis 19.30 Uhr Theater
      • Die schlummernde Venus (aus: Von allem Anfang an) mit Radek Knapp
      • Hamlet (aus: Als Kind habe ich Stalin gesehen) mit Juergen Maurer 
      • Eine Frage der Macht (aus: Exekution eines Kalbes) mit Valerie Fritsch 
      • Jannings & Tilla mit Thomas Thieme und Dominic Oley
      • Verlage, Verleger, Zensur (aus: Als Kind habe ich Stalin gesehen) mit Jakob Hein
      • In Acht und Bann mit Valerie Fritsch, Radek Knapp, Juergen Maurer, Thomas Thieme, Florian Teichtmeister, Dominic Oley, Jakob Hein (?) 
      • Jannings & Tilla mit Erni Mangold pfeilChristoph Hein und Bettina Hering im Gespräch
    • 20.15 Uhr In seiner frühen Kindheit ein Garten
      • In seiner frühen Kindheit ein Garten mit Juergen Maurer 
      • Frau Paula Trousseau mit Ursula Strauss 
      • Korrekturen mit Christoph Hein, Erni Mangold und Ursula Strauss

2014 Literatur im Nebel 2014 Ian McEwan Literatur im Nebel 2014 Ian McEwan

Literatur im Nebel 2014 freut sich sehr, dieses Jahr mit Ian McEwan einen der international renommiertesten Schriftsteller als unseren Ehrengast in Heidenreichstein begrüβen zu dürfen. Mit unglaublicher Eloquenz und stilistischer Könnerschaft greift Ian McEwan gesellschaftspolitische Themen Englands auf, setzt seine wissenschaftlichen und historischen Kenntnisse in singulären Figuren und raffiniert komponierten Plots um, thematisiert virtuos die sexuelle und moralische Problematik Jugendlicher, stellt sich mit Empathie und forensischer Genauigkeit den Fragen nach Ehe und Familie, entwirft akribische, meisterhafte Panoramen unserer zivilen Bevölkerung. Seine Bücher Der Zementgarten, Abbitte, und Saturday wurden unter anderen zu Weltbestsellern und markieren literarische Höhepunkte.

Ian McEwan wurde am 21. Juni 1948 in Aldershot, England, geboren. Aufgrund der Versetzungen seines Vaters, eines Berufssoldaten, wuchs Ian McEwan zu einem Teil in Asien, unter anderem in Singapur, und in Libyen auf.

Im Alter von 12 Jahren kehrte er mit seiner Familie nach England zurück.

McEwan studierte Englische Literatur an der University of Sussex in Brighton und erhielt 1970 den Bachelor of Arts. Sein weiterführendes Studium für den Master of Arts führte ihn an die University of East Anglia in Norwich. Bereits zu der Zeit setzte sich McEwan mit dem Gedanken an eine Schriftstellerkarriere auseinander und besuchte Kurse in creative writing bei den Autoren Malcolm Bradbury und Angus Wilson, Pioniere auf diesem Feld. McEwan unterrichtete später selber an der University of Sussex.

Mit seiner ersten Kurzgeschichtensammlung Erste Liebe, letzte Riten (1975) gelangte er sofort in den Fokus auch der internationalen Kritik und gewann den Somerset Maugham Award. Seitdem lebt Ian McEwan als freier Schriftsteller.

Sein Werk wurde und wird im Laufe seiner Karriere international gefeiert und mit nahezu allen bedeutenden Preisen für englischsprachige Literatur ausgezeichnet.

McEwan war alleine zweimal für den Man Booker International Prize und sechs Mal für den Man Booker nominiert, den er 1998 für seinen Roman Amsterdam schlussendlich auch erhalten hat.

Im Alter von 30 Jahren veröffentlichte McEwan seine zweite Kurzgeschichtensammlung Zwischen den Laken, die sofort die Bestsellerliste der Sunday Times stürmte. Sein Debütroman Der Zementgarten (1978) wurde zum internationalen Bestseller. Die groteske Studie über vier verwaiste Kinder in einer Ausnahmesituation, psychologisch genau und eindringlich beschrieben, wurde 1993 mit Charlotte Gainsbourg verfilmt, genauso Der Trost von Fremden (1981) mit Helen Mirren. Diese beiden makabren Geschichten wurden durch die alptraumhafte Beschreibung einer Kindsentführung abgelöst: Ein Kind zur Zeit (1987). McEwan positioniert sich in diesem Roman nicht nur weiterhin als unglaublich präziser, stilistisch perfekter und psychologisch analytischer Kopf, sondern auch als Systemkritiker der englischen Gesellschaft und Politik. Unschuldige (1990), Schwarze Hunde (1992) und Abbitte (2001) verarbeiten historische Ausschnitte des 2. Weltkriegs und stellen sie in einen privaten Kontext, genauso wie das Kinderbuch Rose Blanche (1985). Abbitte wurde höchst erfolgreich mit Keira Knightley und James McAvoy in den Hauptrollen verfilmt, das Time Magazin kürte ihn zum besten Roman des Jahres 2002.

Das mit dem Booker Prize ausgezeichnete Buch Amsterdam (1998) erzählt im Stile einer amüsanten Gesellschaftssatire von Selbsttäuschung und den Lebenslügen der 68er Generation, die zur Weltverbesserung angetreten ist und sich vom Establishment vereinnahmen ließ.

Mit Saturday (2005) experimentiert McEwan formal: Der Roman spielt an einem einzigen Tag im Leben des Neurochirurgen Henry Perowne. Um diesem Berufsbild gerecht zu werden, hospitierte McEwan über zwei Jahre am National Hospital for Neurology and Neurosurgery in London. Nach einer nächsten Feldforschung am Nordpol, gemeinsam mit Wissenschaftlern und Künstlern, entstand der Roman Solar (2010) mit der Figur des Physikers Michael Beard im Zentrum.

Zu seinem neuesten Roman Honig, der vor dem Hintergrund des Kalten Krieges angesiedelt ist und aus der Perspektive der weiblichen Protagonistin Serena Frome erzählt wird, meinte McEwan: "Dieser Roman eröffnete mir die Möglichkeit, eine Art verklausulierte Autobiographie zu schreiben."

Ian McEwan ist bekennender Atheist und beschäftigt sich intensiv mit der Frage nach den Auswirkungen der fundamentalistischen Positionen der unterschiedlichen Religionen. In der Zeit äußerte er sich in der Rubrik Ich habe einen Traum 2006 folgendermaßen: "Oft frage ich mich, ob eine Welt vorstellbar ist, die intellektuell reich und emotional befriedigend ist - und die ohne jede Religion auskommt. Es wäre eine Welt voller Demut vor der Heiligkeit des Lebens, der Natur und der Kunst, nur eben ohne den Respekt vor einem übernatürlichen Wesen. Die Religion steht im Zentrum der großen Konflikte unserer Zeit. Sie verleitet Menschen dazu, grausame Dinge zu tun. Immer wieder kidnappt Religion die Moral. Wie destruktiv die Annahme ist, es gäbe ein besseres Leben als dieses! Diese Idee hält Abermillionen in Armut lebende Menschen im Würgegriff. Menschen wenden sich besonders dem Glauben zu in Zeiten, in denen das Leben schwer ist und die Aussichten schlecht sind. Wer aber auf ein besseres Leben nach dem jetzigen hofft, verliert seine Hingabe an die eigene Existenz."

Ian McEwan ist in zweiter Ehe mit der Journalistin Annalena McAfee verheiratet und lebt in London. Mit seiner ersten Ehefrau Penny Allen hat er zwei Söhne.

Auszeichnungen (Auswahl)

1987: Whitbread Novel Award und 1993 Prix Femina Étranger für Ein Kind zur Zeit; 1989: Ehrendoktor der University of Sussex; 1993: Ehrendoktor der University of East Anglia; 1998: Booker Prize für den Roman Amsterdam; 1999: Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung für das Gesamtwerk; 1999: Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences; 2001/2002/2004: Booker Prize, National Book Critics; Circle Fiction Award, W.H. Smith Literary Award, Deutscher Bücherpreis, Santiago Prize for the European Novel für Abbitte; 2005: James Tait Black Memorial Prize für den Roman Saturday; 2010: Bollinger Everyman Wodehouse Prize für Solar; 2011: Jerusalem-Preis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft

Werke

Erste Liebe - letzte Riten (First Love, Last Rites, aus dem Englischen von Harry Rowohlt). Zürich: Diogenes, 1980.
Der Zementgarten (The Cement Garden, aus dem Englischen von Christian Enzensberger). Zürich: Diogenes, 1980.
The Imitation Game Drei Fernsehspiele, 1981.
Zwischen den Laken (In Between the Sheets, aus dem Englischen von Michael Walter, Wulf Teichmann und Christian Enzensberger). Zürich: Diogenes, 1982.
Der Trost von Fremden (The Comfort of Strangers, aus dem Englischen von Michael Walter). Zürich: Diogenes, 1983.
Oder müssen wir sterben? (Or Shall We Die?). Zürich: Diogenes, 1984.
Ein Kind zur Zeit (The Child in Time, aus dem Englischen von Otto Bayer). Zürich: Diogenes, 1988.
Unschuldige (The Innocent, aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser). Zürich: Diogenes, 1990.
Schwarze Hunde (Black Dogs, aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser). Zürich: Diogenes, 1994.
Der Tagträumer (The Daydreamer, aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser). Zürich: Diogenes, 1995.
Liebeswahn (Enduring Love, aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser). Zürich: Diogenes, 1998.
Amsterdam (aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser). Zürich: Diogenes, 1999.
Psychopolis: Abschied aus L.A. (aus dem Englischen von Wulf Teichmann). Zürich: Diogenes, 2000.
Abbitte (Atonement, aus dem Englischen von Bernhard Robben). Zürich: Diogenes, 2002.
Saturday (aus dem Englischen von Bernhard Robben). Zürich: Diogenes, 2005.
Am Strand (On Chesil Beach, aus dem Englischen von Bernhard Robben). Zürich: Diogenes, 2007.
Solar (übersetzt von Werner Schmitz). Zürich: Diogenes, 2010
Honig (Sweet Tooth, übersetzt von Werner Schmitz). Zürich: Diogenes 2013

Libretti:
Oder müssen wir sterben? (Or Shall We Die?, dt. Text für ein Oratorium von Michael Berkeley). Zürich: Diogenes, 1984
For You: The Libretto For Michael Berkeley´s Opera; dt./engl. (For You: Libretto für eine Oper von Michael Berkeley). Zürich: Diogenes, 2009

Theaterstück:
The Imitation Game, 1981

Drehbücher:
Jack Flea´s Birthday Celebration, 1976
The Ploughman´s Lunch, 1985
Soursweet, nach einem Roman von Timothy Mo, 1989
The Good Son, 1993

Programm

  • Samstag 27. September 2014
    • 17 bis 19.45 Uhr Kind-Sein
      • Tagträumer es liest Tobias Moretti
      • Der Zementgarten es lesen Julia Koschitz, Teresa Präauer, Manuel Rubey, Ferdinand Schmalz 
      • Paulus Hochgatterer über Ian McEwan
      • Ian McEwan im Gespräch mit Bettina Hering 
      • Ein Kind zur Zeit es lesen Franziska Weisz, Johannes Zeiler
    • 20.15 bis 22 Uhr Willenbrock
      • Liebeswahn es liest Elisabeth Orth
      • Am Strand es lesen Julia Koschitz, Manuel Rubey
  • Sonntag 28. September 2014
    • 11.00 Uhr Film
      • Atonement (2007) Regie: Joe Wright Darsteller: James McAvoy, Keira Knightley u.a. englische Originalfassung, Eintritt frei
    • 20.15 Uhr In seiner frühen Kindheit ein Garten
      • Saturday es lesen Nicole Beutler, August Zirner 
      • Amsterdam es lesen Herbert Föttinger, Hubsi Kramar 
      • Ian McEwan im Gespräch mit Daniel Kehlmann
      • Solar es liest Erwin Steinhauer
    • 20.15 bis 22 Uhr Honig
      • Honig es lesen Michou Friesz, Anna Kim, Thiemo Strutzenberger 
      • Kindeswohl es lesen Ian McEwan und Christiane von Poelnitz

2013 Literatur im Nebel 2013 Louis Begley  Literatur im Nebel 2013 Louis Begley 

Am 18. und 19. Oktober 2013 war der New Yorker Bestsellerautor Louis Begley bei "Literatur im Nebel" in Heidenreichstein in der Margithalle zu Gast. Nach Salman Rushdie (2006), Amos Oz (2007), Jorge Semprun (2008), Margaret Atwood (2009), Hans Magnus Enzensberger (2010), Nuruddin Farah (2011) und Ljudmila Ulitzkaja (2012) war er der achte Ehrengast dieses Literaturfestivals im nördlichen Waldviertel.

Leben

Der Schriftsteller und Jurist im Ruhestand, Louis Begley, wurde am 6. Oktober 1933 in Stryi, damals zu Polen, heute zur Ukraine gehörig, geboren. Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde Stryi und das nahegelegene Lwów von russischen Truppen besetzt, 1941 von der deutschen Armee erobert. Begleys Vater, ein Arzt, musste sich den russischen Truppen anschließen und verbrachte die Kriegsjahre fast ausschließlich in Smarkand. Louis Begleyblieb als Einzelkind mit seiner Mutter in Stryi. Sie flüchteten mit falschen Papieren, die ihnen eine arische und katholische Identität verliehen, kurz vor der Errichtung des Ghettos in Stryi nach Lwów und weiter nach Warschau. Nach dem Aufstand im Warschauer Ghetto gab es in Krakau eine Familienzusammenführung mit Begleys Vater. Bis 1946 blieben sie in Krakau, nach wie vor unter falschem Namen und ohne ihre jüdische Identität preiszugeben.

Über Paris gelangte die Familie im März 1947 nach New York City und änderte ihren ursprünglichen Namen Begleiter in Begley. In Brooklyn besuchte Begley die Erasmus Hall High School und besuchte danach das College in Harvard. Das wiederum schloss er mit höchster Auszeichnung in Englischer Literatur ab, mit berühmten Kommilitonen an seiner Seite, wie zum Beispiel John Updike. Nach seinem Studium diente er in der amerikanischen Armee, zuletzt im deutschen Göppingen.
1956-59 studierte er mit größtem Erfolg an der berühmten Harvard Law School und arbeitete in der Folge als Rechtsanwalt.
Er heiratete 1956 Sally Higginson, von der er 1970 geschieden wurde. Mit seiner zweiten Ehefrau, der französischen Schriftstellerin Anka Muhlstein, lebt Louis Begley in New York. Louis Begleys drei Kinder sind alle künstlerisch tätig und leben in Paris, England und Amerika, die beiden Söhne von Anka Muhlstein in Tokyo und New York City mit insgesamt sieben Kindern, resp. Enkelkindern.

Werk

Spät verfasste Louis Begley seinen ersten Roman Lügen in Zeiten des Krieges während eines beruflichen Sabbaticals. Seine autobiographischen Erlebnisse in Polen unter der Herrschaft der Nazis als getarnter Jude aus der Sicht eines Jungen wurden 1991 zum großen Erfolg. Er blieb weiterhin als Anwalt tätig, steigerte aber seine schriftstellerische Produktivität. In schneller Abfolge erschienen Wie Max es sah (1995), Der Mann, der zu spät kam (1996), Schmidt (1997) wurde mit Jack Nicholson in der Titelrolle verfilmt und zum Welterfolg, Mistlers Abschied (1998), Schmidts Bewährung (2000), Schiffbruch (2003), Ehrensachen (2007), Der Fall Dreyfus (2009) und Schmidts Einsicht (2011).

Die Themen von Begleys Romanen kreisen nach seinem Erstling, der sich mit seiner konkreten Vergangenheit auseinandersetzt, hauptsächlich um die Situation und die Probleme der finanziellen Oberschicht und sind nicht selten in New England angesiedelt. Der berufliche Aufstieg und die damit verbundenen Fragen nach Macht und deren moralischen Komponenten, in Folge dessen auch des Machtverlusts, die Auflösung von Familienstrukturen, Fragen des Alters, der Vergänglichkeit und des Todes sind immer wiederkehrende Topoi, die Begley ohne Sentimentalität aber mit dem scharfen, analytischen Blick des Anwaltes untersucht und auf ihren Gehalt abklopft.

Als brillanter Essayist hinterfragt er die amerikanische Gegenwart und bringt sie uns näher. Unter seinen Auszeichnungen befinden sich unter anderem der PEN/Ernest Hemingway Fiction Award, der Prix Médicis Étranger, der Jeanette-Schocken-Preis, der American Academy of Arts and Letters Award, der Konrad Adenauer-Stiftung Literaturpreis. Louis Begley war Präsident des amerikanischen PEN Clubs von 1993-1995 und ist Chevalier de L’Ordre des Arts et Lettres.
Im Herbst 2013 erscheint sein neuester Roman Erinnerungen an eine Ehe.

Sondervorführung bei freiem Eintritt
"About Schmidt"
USA, 2002, nach dem Buch von Louis Begley
R: Alexander Payne
D: Jack Nicholson, Kathy Bates, u.a.
Verleih: Warner Brothers
EmU

Samstag, 19.10.2013
Beginn 11 Uhr
Margithalle Heidenreichstein
Eintritt frei, freie Platzwahl, beschränktes Platzangebot
Einlass ab 10.30h

Pressestimmen zu Literatur im Nebel 2013
Salzburger Nachrichten
Der Standard
ORF

Programm

  • Freitag 18. Oktober 2013
    • 17 bis 19.30 Uhr Lügen in Zeiten des Krieges
      Wer ist der Romanautor in Wirklichkeit? es liest Robert Schindel Anka Muhlstein über Louis Begley
      Lügen in Zeiten des Krieges es lesen Zdenka Becker, Michael König, Sami Loris
      Louis Begley im Gespräch mit mit Michael Krüger
    • 20.15 bis 22 Uhr Sozialer Aufstieg und Verführung
      Der Mann, der zu spät kam es lesen Pauline Knof, Michael Krüger
      Schiffbruch es lesen Ute Heidorn und Andreas Patton
      Ehrensachen es lesen Clemens Berger, Philipp Hauß, Sami Loris
  • Samstag 19. Oktober 2013
    • 17 bis 19.30 Uhr About Schmidt
      Schmidt/Schmidts Bewährung/Schmidts Einsicht es lesen Franziska Hackl, Pauline Knof, Barbara Petritsch, Anna Weidenholzer, Peter Stephan Jungk und August Schmölzer
      Louis Begley im Gespräch mit Marion Kollbach und Raoul Kneucker Fortsetzung mit Schmidts Einsicht
    • 20.15 bis 22 Uhr Erinnerungen an eine Ehe
      Mistlers Abschied es liest Elisabeth Orth
      Erinnerungen an eine Ehe es lesen Louis Begley und Sylvie Rohrer

2012 Literatur im Nebel 2012 Ljudmila Ulitzkaja Literatur im Nebel 2012 Ljudmila Ulitzkaja

Am 19. und 20. Oktober 2012 war die russische Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja bei "Literatur im Nebel" in Heidenreichstein zu Gast.

Nach Salman Rushdie (2006), Amos Oz(2007), Jorge Semprun (2008), Margaret Atwood (2009), Hans Magnus Enzensberger (2010) und Nuruddin Farah (2011) ist sie der siebte Ehrengast dieses Literaturfestivals im nördlichen Waldviertel.

Ljudmila Ulitzkaja wurde am 23. Februar 1943 in Dawlekanowo - zugehörig zur Republik Baschkortostan, Russland - geboren. Ab ihrem zweiten Lebensjahr wuchs sie in Moskau auf, wo sie bis heute lebt. Sie studierte Biologie und arbeitete ab 1967 als Genetikerin am Akademieinstitut in Moskau, bis die Gruppe junger Wissenschaftler, mit denen sie forschte, 1969 wegen der illegalen Abschrift und Verbreitung von Samisdat-Literatur, mit der versucht wurde, die staatliche Zensur zu umgehen, aufgelöst und entlassen wurde. Nach Abschluss eines zweiten, geisteswissenschaftlichen Studiums verbrachte Ljudmila Ulitzkaja zwei Jahre als Assistentin des künstlerischen Leiters am "Jüdischen Kammermusiktheater", für das sie auch dramaturgische Arbeiten übernahm wie Programmhefte, diverse Artikel und auch Szenarien zu konzipieren und schreiben.

Ljudmila Ulitzkaja identifizierte sich nicht mit der jüdischen Religion, wie andere Teile ihrer Familie. Sie fühlte sich aber künstlerisch eingeschränkt, da das Judentum thematisch tabuisiert war. Nach zwei Jahren verließ sie das Theater und probierte sich freischaffend als Autorin, Publizistin und Übersetzerin zu etablieren, wurde aber von den sowjetischen Literaturzeitschriften lange Zeit abgelehnt. 1983 konnte sie trotz dieser Widerstände ihren ersten Erzählungsband im Staatlichen Kinderbuchverlag veröffentlichen.

Erst auf dem Umweg über Frankreich, wo Ende der achtziger Jahre erste Erzählungen von ihr erschienen, erlangte Ljudmila Ulitzkaja auch in Russland Aufmerksamkeit. Für ihre berühmteste Novelle Sonetschka, mit der ihr 1992 der internationale Durchbruch gelang, erhielt sie 1996 in Frankreich den Prix Médicis, 2001 wurde sie mit dem "russischen Booker Prize" für Reise in den siebenten Himmel ausgezeichnet. 2009 erhielt sie den Alexandr-Men-Preis für die interkulturelle Vermittlung zwischen Russland und Deutschland. Die Erzählungen und Romane von Ljudmila Ulitzkaja wurden in 17 Sprachen übersetzt, sie wird in Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden ebenso gelesen wie in Amerika, China und der Türkei.

Ihre Prosawerke sind oft im russischen Künstler- und Akademikermilieu angesiedelt, biblische und mythische Motive finden genauso Eingang wie auch aktuelle Fragestellungen betreffend Gentechnik, Ethos in der Wissenschaft und den Grenzen der Forschung.

Ihre Helden sind oftmals Heldinnen. Heldinnen des Alltags, Frauen, die in Traditionen und Familienkonstellationen verhaftet sind, aus denen es kaum ein Entrinnen gibt. Frauen, die aber weder mit ihrem Schicksal hadern, noch in Larmoyanz verfallen, sodass Ulitzkajas Erzühlungen nicht ins Rührselige kippen. Das liegt daran, dass ihr Blick auf diese Heldinnen zwar emphatisch ist, aber immer auch mit Ironie unterlegt. Aber auch mit ihren männlichen Protagonisten wie Daniel Stein oder Schurik setzt sie sich genauso akribisch auseinander.

Ljudmila Ulitzkaja gilt als eine wichtige Stimme Russlands, gerade auch in der jetzigen politischen Situation.

In deutscher Sprache sind von Ludmila Ulitzkaja erschienen:

1992Russische Erzählungen
1994Zarte und grausame Mädchen
1997Medea und ihre Kinder
 Sonetschka
1998Ein fröhliches Begräbnis
1999Olgas Haus
2001Reise in den Siebenten Himmel
2003Die Lügen der Frauen. Erzählungen
2005Ein glücklicher Zufall und andere Kindergeschichten. Jugendbuch
 Ergebenst, Euer Schurik. Roman
2006Daniel Stein, Roman
2007Maschas Glück. Erzählungen
2012(voraussichtlich ab 27.8.) Das grüne Zelt

Alle deutschen Übersetzungen: Ganna-Maria Braungardt

Vortrag von Nina L. Khrushcheva (PDF)
Biografie Ljudmila Ulitzkaja

Programm

  • Freitag 19. Oktober 2012
    • 17 bis 19.30 Uhr Ein fröhliches Begräbnis
      Stalins Tod es liest Caroline Peters
      Vortrag von Nina L. Khrushcheva
      Ein fröhliches Begräbnis es lesen Alina Levshin und Markus Hinterhäuser
      Ljudmila Ulitzkaja im Gespräch mit Susanne Scholl
    • 20.15 bis 22 Uhr Unbedingte Liebe
      Ein langes langes Leben es lesen Sabine Gruber, Adina Vetter und Harald Windisch
      Sonetschka es liest Elisabeth Orth
  • Samstag 20. Oktober 2012
    • 17 bis 19.20 Uhr Daniel Stein / Ergebenst, Euer Schurik
      Daniel Stein es lesen Olga Grjasnowa und Maria Hofstätter
      Vortrag von Ganna-Maria Braungardt
      Ergebenst, euer Schurik es lesen Milena Michiko Flasar, Brigitta Furgler, Magdalena Kronschläger und Ivan Shvedoff
    • 20 bis 22 Uhr Das grüne Zelt
      Ljudmila Ulitzkaja im Gespräch mit Olga Grjasnowa
      Das grüne Zelt es lesen Ljudmila Ulitzkaja und Peter Matic

2011 Literatur im Nebel 2011 Nuruddin Farah Literatur im Nebel 2011 Nuruddin Farah

Am 21. und 22. Oktober 2011 wird der somalische Schriftsteller Nuruddin Farah bei "Literatur im Nebel" in Heidenreichstein zu Gast sein.

Nach Salman Rushdie, Amos Oz, dem vor kurzem verstorbenen Jorge Semprún, Margaret Atwood und Hans Magnus Enzensberger ist er der sechste Ehrengast dieses Literaturfestivals im nördlichen Waldviertel.

Nuruddin Farah ist einer der bedeutendsten Schriftsteller Afrikas. Der Großteil seines Werkes widmet sich dem Zerfall des Staates Somalia und dem Kampf seiner Einwohner um das nackte Überleben. Motive und Auswirkungen der Gewalt und Unterdrückung in all ihren Spielformen - insbesondere auch gegen die Frauen - beschreibt er akribisch und stellt dagegen Werte wie Freiheit, Unabhängigkeit und soziale Verantwortung.

Farah schildert das heutige Leben in Afrika eindringlich, packend und klarsichtig. Einerseits aus der Perspektive des Exilanten, der gebürtiger Somalier lebt seit vielen Jahren in der Diaspora, andererseits aber mit schriftstellerischen Mitteln, die seine Herkunft aufzeigen und mitten in das Herz Afrikas zielen.

In den ersten Tagen nach der Flucht hat das Leben von Flüchtlingen etwas Gehetztes, da die Unermesslichkeit ihres Verlusts sie völlig unvorbereitet trifft. Zuerst beherrscht ihre Gedanken nur die Gnadenlosigkeit des Überlebens. Sie scharen sich zusammen, versammeln sich im Schatten eines Baums oder im Schein eines Lampenmasts, dem neuen Totempfahl ihrer Zusammengehörigkeit. Die Flüchtlinge ergehen sich in traurigen Erinnerungen. Sie wenden Millionen Arbeitsstunden Flüchtlingszeit für Introspektion und Selbstanalyse auf; dementsprechend fühlen sie sich am Ende des Tages depressiver als beim Erwachen. Flüchtling zu sein heißt lebensmüde zu sein. Wenden sich deshalb so viele religiösen Gedanken zu und grübeln über den Fluch nach, der sie und ihr Land heimgesucht hat? Später, in den kurzen Nachtstunden, geben viele in der Privatsphäre der Finsternis, in der ihnen nur die Schlaflosigkeit zuhört, sich selbst ihre geheimen Nöte und Ängste kund. Auf diese Art verarbeiten sie, was sie quasi unbewusst getan haben. Endlich begreifen sie, dass sie Kismayo, die Küstenstadt im Süden, als Somalis verlassen haben und in Mombasa als »Flüchtlinge« angekommen sind. Nur eine viertägige Seereise trennt sie physisch von Somalia, doch die Entfernung wächst, wenn sie in der Erinnerung durchmessen wird. Sie haben wohl, als sie Kismayo verließen und staatenlos in Kenia ankamen, die Brücken gesprengt, die sie mit ihrem Land verbanden."
Nuruddin Farah aus: Yesterday, Tomorrow; Stimmen aus der somalischen Diaspora, Suhrkamp Verlag, 2000

Biografie (PDF)

Werkverzeichnis (PDF)

Programm

  • Freitag 21. Oktober 2011
    • 17 bis 19.30 Uhr Somalia
      Ankunft in Mogadischu es liest Klaus Maria Brandauer
      Ilija Trojanow über Nuruddin Farah
      In Mogadischu es lesen Maria Schrader und Klaus Maria Brandauer
      Nuruddin Farah im Gespräch mit Andreas Pfeifer
    • 20.10 bis 22 Uhr Afrikanische Diktaturen; Variationen
      Bruder Zwilling es lesen Dorothee Hartinger, Anna-Elisabeth Mayer und Cornelius Obonya
      Vortrag von Georg Lennkh
      Somalische Diaspora es liest Maria Schrader
  • Samstag 22. Oktober 2011
    • 17 bis 19.30 Uhr Aus einer gekrümmten Rippe
      Warum ich schreibe es lesen Beatrice Achaleke und Thomas Glavinic
      Aus einer gekrümmten Rippe es lesen Sabine Haupt, Julya Rabinowich
      und Florentin Groll
      Nuruddin Farah im Gespräch mit Marie-Roger Biloa
      Flucht es liest Elisabeth Orth
    • 20.15 bis 22 Uhr Crossbones
      Maps es lesen Andrea Breth und Sven-Eric Bechtolf
      Crossbones es lesen Nuruddin Farah und Dörte Lyssewski

2010 Literatur im Nebel 2010 H. M. Enzensberger Literatur im Nebel 2010 H. M. Enzensberger

Optimistisches Liedchen

Hie und da kommt es vor,
daß einer um Hilfe schreit.
Schon springt ein andrer ins Wasser,
vollkommen kostenlos.

Mitten im dicksten Kapitalismus
kommt die schimmernde Feuerwehr
um die Ecke und löscht, oder im Hut
des Bettlers silbert es plötzlich.

Vormittags wimmelt es auf den Straßen
von Personen, die ohne gezücktes Messer
hin- und herlaufen, seelenruhig,
auf der Suche nach Milch und Radieschen.

Wie im tiefsten Frieden.

Ein herrlicher Anblick.

Hans Magnus Enzensberger, Leichter als Luft; Moralische Gedichte, 1999

Am 22. und 23. Oktober 2010 wird der deutsche Dichter, Schriftsteller, Essayist, Herausgeber, Übersetzer und Redakteur Hans Magnus Enzensberger bei "Literatur im Nebel" in Heidenreichstein zu Gast sein.

Nach Salman Rushdie (2006), Amos Oz (2007), Jorge Semprún (2008) und Margaret Atwood (2009) ist er der fünfte Ehrengast dieses Literaturfestivals im nördlichen Waldviertel.

Wie schon anhand seiner Berufsbezeichnungen offensichtlich wird, ist das Werk von Hans Magnus Enzensberger ein äußerst breit gefächertes. Als brillanter Essayist wurde Enzensberger, der am 11. November 1929 in Kaufbeuren im Allgäu geboren wurde, rasch zum Star der jungen Schriftstellergeneration um Günther Grass, Ingeborg Bachmann und Peter Rühmkorf. Er war nicht Mitglied aber ständiger Gast der Gruppe 47, zu deren Treffen sich nahezu alle wegweisenden deutschen Autoren und Autorinnen einfanden, von Heinrich Böll über Paul Celan bis zu Ilse Aichinger, Uwe Johnson und unzähligen anderen.

99 Fragen an Hans Magnus Enzensberger:
www.zeit.de/2010/33/99-Fragen-Enzensberger

Bereits im Alter von 33 Jahren erhielt Hans Magnus Enzensberger die höchste deutsche Literatur-Auszeichnung, den Georg-Büchner-Preis.

Obwohl Enzensberger also sehr früh und schnell eine anerkannte intellektuelle Institution der Bundesrepublik Deutschland wurde, vermied er alle repräsentativen Rollen. Er wollte keine moralische Instanz sein und kein "linkes Gewissen". Er blieb ein Freigeist und wechselte konsequent die Positionen, wenn er dazu Veranlassung hatte. Dafür wurde und wird er nach wie vor kritisiert, was ihn in seinem Tun nur zu bestätigen scheint.

Hans Magnus Enzensberger entstammt einer bürgerlichen Familie und ist in Nürnberg aufgewachsen. Sein Vater war Oberpostdirektor, die Mutter Kindergärtnerin. Seine drei jüngeren Brüder sind der Anglist Christian, der Autor Ulrich, der auch als Gründungsmitglied der legendären Berliner Kommune I bekannt geworden war und der bereits verstorbene Martin Enzensberger.

Enzensberger wurde gezwungen der Hitlerjungend beizutreten, von der er aber aufgrund seines widerspenstigen Verhaltens wieder ausgeschlossen wurde. Von 1949 bis 1954 studierte er Literaturwissenschaft, Sprachen und Philosophie in Erlangen, Hamburg, Freiburg/Br. und Paris. Zusammen mit Alfred Andersch arbeitete er von 1955 bis 1957 in der Redaktion von "Radio Essay" des Süddeutschen Rundfunks Stuttgart, wo er durch kritische Beiträge einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde.

1957 erschien sein erster Gedichtband verteidigung der wölfe, der ihm die Bezeichnung "zorniger junger Mann" von Alfred Andersch eintrug und den Grundstein für sein einzigartiges lyrisches Schaffen legte. Hier wie auch in den folgenden Werken rechnet er in einem direkten, fast aggressiven Stil unter anderem mit der rückständigen Politik der Adenauer-Ära ab. Damit positioniert Enzensberger die Lyrik nicht als Form für Gefühlsergüsse, sondern als politisches, theoretisches und ideelles Medium.

Im gleichen Jahr zog Enzensberger als freier Schriftsteller nach Stranda (Norwegen), wechselte 1959 für ein Jahr nach Lanuvio bei Rom, arbeitete 1960 als Lektor beim Suhrkamp Verlag in Frankfurt/Main um sich dann 1961 auf Tjøme, eine Insel im Oslofjord, zurückzuziehen. Mit dem 1960 herausgegebenen Museum der modernen Poesie im Suhrkamp Verlag beginnt seine herausragende Herausgeber- und Übersetzertätigkeit, die den deutschen Lesern viele bis dahin unbekannte Autoren wie William Carlos Williams, Fernando Pessoa, Pablo Neruda oder Lars Gustafsson nahebringt. Eine Fellowship an der Wesleyan University brach er 1968 unter Protest gegen die US-Außenpolitik ab und ging für ein Jahr nach Kuba. Von 1965 bis 1975 gab Enzensberger die Zeitschrift Kursbuch heraus, mit der er zu einer Orientierungsfigur der Studentenbewegung wurde.

Ab Mitte der Sechzigerjahre verlagerte sich Hans Magnus Enzensbergers Interesse immer mehr von der Poesie zu Politik. Im Zuge dessen beschäftigte er sich stark mit dokumentarischer Literatur und verstärkte seine essayistische Arbeit. Er erweiterte sein Tätigkeitsfeld und war für die Oper als Librettist, das Theater, das Fernsehen und weiterhin für den Rundfunk tätig. In diesen Medien setzte er sich auch mit den Medien selbst auseinander. Seine Medienkritik gipfelte in dem Essay "Baukasten zu einer Theorie der Medien", den er 1970 verfasste. Darin greift er vor allem das Fernsehen an, dem er eine Steuerungs- und Kontrollmacht über die Gesellschaft zuschreibt und fordert einen emanzipatorischen Mediengebrauch.

Neben einer erneuten kontinuierlichen Gedichtproduktion ab den Siebzigerjahren erschienen auch weiterhin zahlreiche Essaybände zu den Themen Migration, Bürgerkrieg, Lyrik, Mathematik und Intelligenzforschung. Unter den Gedichten sticht das Versepos Der Untergang der Titanic (1978) heraus.

1980 gründete er mit Gaston Salvatore das Kulturmagazin TransAtlantik, das er 1982 wieder verließ. Von 1985 bis 2007 gab er zusammen mit Franz Greno die Buchreihe Die Andere Bibliothek heraus. Singulär ist diese Edition sowohl in ästhetischer als auch in inhaltlicher Hinsicht: Allmonatlich erscheint eine literarische Kostbarkeit, darunter deutsche Erstausgaben hierzulande unbekannter ausländischer Autoren, Originalausgaben als auch Klassiker. Auch mit seinen Kinderbüchern - Zupp, Der Zahlenteufel, Estherhazy, Wo warst du, Robert?, Bibs - ist Hans Magnus Enzensberger sehr erfolgreich. Er veröffentlichte unter den Pseudonymen Andreas Thalmayr, Linda Quilt, Elisabeth Ambras sowie Serenus M. Brezengang.

Bis zum heutigen Tag ist Hans Magnus Enzensberger eine unerlässliche Stimme im politischen Diskurs und es gelingt ihm immer wieder, wichtige kulturelle und politische Debatten anzustoßen. In seinem Buch Schreckens Männer; Versuch über den radikalen Verlierer (2006) beschäftigt er sich mit Gewalttätern, die ihrem eigenen und dem Leben möglichst vieler anderen ein Ende machen. Enzensberger dazu: "Man muß nicht alles verstehen, aber ein Versuch kann nicht schaden". Jenseits der Ideologie sucht er nach Gemeinsamkeiten zwischen dem Amokläufer und dem islamistischen Selbstmordattentäter.

Sein oftmals als Zickzackkurs beschriebener ideologischer Weg wurde in den vielen Würdigungen zu seinem 80.Geburtstag 2009 nicht mehr wie früher oftmals negativ, sondern als "prinzipielle Zustimmungsverweigerung", ja sogar als "frühe Postmoderne" beurteilt und geschätzt. Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt Hans Magnus Enzensberger 1962 und 1978 den Deutschen Kritikerpreis, 1963 den Georg-Büchner-Preis, 1985 den Heinrich-Böll-Preis, 1998 den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf, 2002 den Prinz-von-Asturien-Preis, 2006 den Premio d’Annunzio für sein Gesamtwerk und 2009 den dänischen Sonning-Preis.

Werke

Lyrik:

verteidigung der wölfe, 1957
landessprache, 1960
Gedichte. Die Entstehung eines Gedichts, 1962
blindenschrift, 1964
Mausoleum. 37 Balladen aus der Geschichte des Fortschritts, 1975
Der Untergang der Titanic. Eine Komödie, Versepos, 1978
Die Furie des Verschwindens, 1980
Zukunftsmusik, Gedichte, 1991
Kiosk. Neue Gedichte, 1995
Leichter als Luft. Moralische Gedichte, 1999
Die Geschichte der Wolken. 99 Meditationen, 2003
Rebus, 2009

Essays (Auswahl):

Brentanos Poetik, 1961 (Druckfassung der Diss. Erlangen 1955)
Einzelheiten I & II, 1962
Politik und Verbrechen, 1964
Deutschland, Deutschland unter anderem, 1967
Staatsgefährdende Umtriebe, Rede zur Verleihung des Nürnberger Literaturpreises, 1968
Palaver. Politische Überlegungen 1967-1973, 1974
Politische Brosamen, 1982
Ach, Europa! Wahrnehmungen aus sieben Ländern, 1987
Mittelmaß und Wahn. Gesammelte Zerstreuungen, 1988
Die Große Wanderung, 1992
Aussichten auf den Bürgerkrieg, 1993
Zickzack, Aufsätze, 1997
Zugbrücke außer Betrieb: Die Mathematik im Jenseits der Kultur (d/e), 1999
Nomaden im Regal, 2003
Lyrik nervt! Erste Hilfe für gestresste Leser, 2004 (unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr)
Heraus mit der Sprache. Ein bisschen Deutsch für Deutsche, Österreicher, Schweizer und andere Aus- und Inländer, 2005 (unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr)
Schreckens Männer - Versuch über den radikalen Verlierer, 2006
Im Irrgarten der Intelligenz, 2007
Fortuna und Kalkül - Zwei mathematische Belustigungen, 2009

Prosa:

Das Verhör von Habana, 1970
Der kurze Sommer der Anarchie. Buenaventura Durrutis Leben und Tod, 1972
Der Weg ins Freie. Fünf Lebensläufe, 1975
Heiss & Kalt, Erotische Erzählungen, 1987 (unter dem Pseudonym Elisabeth Ambras)
Josefine und ich - Eine Erzählung, 2006
Schauderhafte Wunderkinder, 2006 (unter dem Pseudonym Linda Quilt)
Hammerstein oder der Eigensinn, Biographie, 2008 

Dramen:

Der Menschenfreund, 1984
Diderot und das dunkle Ei, 1990
Die Tochter der Luft, 1992
El Cimarrón. Biographie des geflohenen Sklaven Esteban Montejo, 1972.
Nieder mit Goethe! / Requiem für eine romantische Frau, 1995.

Kinder- und Jugendbücher:

Zupp, mit Gisela Andersch, 1958
Estherhazy, mit Irene Dische, illustriert von Michael Sowa, 1993
Der Zahlenteufel, illustriert von Rotraut Susanne Berner, 1997
Wo warst du, Robert?, Roman, 1998
Bibs, illustriert von Rotraut Susanne Berner, 2009

Sammelbände:

Erinnerungen an die Zukunft, 1988
Der Fliegende Robert. Gedichte, Szenen, Essays, 1989
Mit freundlichen Grüßen, 1993
Diderots Schatten. Unterhaltungen, Szenen, Essays, 1994
Geisterstimmen, 1999
Die Elixiere der Wissenschaft. Seitenblicke in Poesie und Prosa, 2002
Dialoge zwischen Unsterblichen, Lebendigen und Toten, 2004

Editionen (Auswahl):

Clemens Brentano: Gedichte, Erzählungen, Briefe (als Hrsg.), 1958
Die Denunziation des Tourismus, (als Hrsg.) 1959
Museum der modernen Poesie (als Hrsg.), 1960
Allerleirauh. Viele schöne Kinderreime (als Hrsg.) 1961
Vorzeichen. Fünf neue deutsche Autoren (als Hrsg.), 1962
Georg Büchner, Ludwig Weidig: Der Hessische Landbote. Texte, Briefe, Prozeßakten (als Hrsg.), 1965
Bartolomé de las Casas: Kurzgefaßter Bericht von der Verwüstung der Westindischen Länder (als Hrsg.), 1966
Freisprüche. Revolutionäre vor Gericht, 1970
Klassenbuch (als Mithrsg.), 1972
Gespräche mit Marx und Engels, 1973
Das Wasserzeichen der Poesie oder Die Kunst und das Vergnügen, Gedichte zu lesen (unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr), 1985
Europa in Trümmern/Europa in Ruinen, 1990
Nie wieder! Die schlimmsten Reisen der Welt (als Hrsg.), 1995
Eine literarische Landkarte, 1999

Biografie Hans Magnus Enzensberger

Programm

  • Freitag 22. Oktober 2010
    • 17 bis 19.30 Uhr Über die Schwierigkeit ein Inländer zu sein
      Das Haus an der Burggasse es liest Sylvester Groth
      Irene Dische über Hans Magnus Enzensberger
      Über die Schwierigkeit ein Inländer zu sein es lesen Mavie Hörbiger, Sylvester Groth, Johann Adam Oest und Gaston Salvatore
      Hans Magnus Enzensberger im Gespräch mit Gaston Salvatore
    • 20.15 bis 22 Uhr Der Untergang der Titanic
      Leichter als Luft es liest Eva Mattes
      Meldungen vom lyrischen Betrieb es lesen Irene Dische und Josef Winkler
      Ein Souvenir vom Untergang der Titanic es liest Peter Turrini
      Der Untergang der Titanic es lesen Maria Happel, Silke Hassler, Mavie Hörbiger, Johann Adam Oest, Ewald Palmetshofer und Bernhard Strobel
  • Samstag 23. Oktober 2010
    • 17 bis 19.30 Uhr Die Poesie der Wissenschaft
      Nomaden im Regal es liest Ilija Trojanow
      Die Poesie der Wissenschaft es lesen Kathrin Röggla und Richard Obermayr
      Die Mathematiker es liest Katja Jung
      Vortrag von Rudolf Taschner
      Hans Magnus Enzensberger im Gespräch mit Christoph Ransmayr
      Ein Hase im Rechenzentrum es lesen Katja Jung, Dirk von Petersdorff und Rainer Wieland
    • 20.15 bis 22 Uhr Hammerstein oder Der Eigensinn
      Schreckens Männer es liest Martin Wuttke
      Hammerstein oder Der Eigensinn es lesen Hans Magnus Enzensberger, Maria Happel, Eva Mattes und Kathrin Röggla

2009 Literatur im Nebel 2009 Margaret Atwood Literatur im Nebel 2009 Margaret Atwood

"You think I'm not a goddess?
Try me.
This is a torch song.
Touch me and you'll burn."

Margaret Atwood

Am 17. und 18. Oktober 2009 wird Heidenreichstein, abseits des Festspielkalenders und nach dem erfolgreichen Auftakt mit Salman Rushdie 2006, sowie Amos Oz 2007 und Jorge Semprun 2008, wieder zum kulturellen Fixpunkt der Region, mit einem Literaturfest für und rund um eine hervorragende Autorin.

Margaret Atwood ist nicht nur Kanadas berühmteste Schriftstellerin und eine international hoch dekorierte Autorin, deren Werke in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden, sie ist auch Lyrikerin, Kritikerin, Feministin, Umwelt- und Gesellschaftsaktivistin.

Margaret Atwood wurde als zweites von drei Kindern am 18.11.1939 in Ottawa, Kanada, geboren. Ihr Vater war Entomologe, ihre Mutter Ernährungswissenschafterin. Die Kindheit verbrachte Atwood zwischen Ottawa, Sault Ste. Marie und Toronto, da ihr Vater die Insekten verschiedenster Landstriche Kanadas erforschte und die Familie mit ihm zog.

Seit ihrer frühesten Jugend war Margaret Atwood fasziniert von Büchern und Literatur, als Kind verschlang sie Märchen, Fabeln, Comics, Tier- und Gruselgeschichten, die nicht ohne Wirkung auf ihr späteres Werk blieben. Mit 16 stand ihr Berufswunsch fest, sie wollte Schriftstellerin werden. 1957 begann sie in Toronto Englisch, Philosophie und Französisch zu studieren und wechselte später nach Harvard ans Radcliffe College, wo sie ihr Studium 1962 abschloss. Atwood unterrichtete als Literaturwissenschaftlerin an Universitäten in British Columbia, Montreal, Alberta, Toronto und New York. Sie lebte in Italien, Frankreich und Deutschland. Seit 1980 lebt Margaret Atwood nördlich von Toronto mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Graeme Gibson, und ihrer gemeinsamen Tochter.

Margaret Atwood ist vor allem als Romanautorin bekannt, auch von sogenannter "Science-fiction". Sie hat sich immer gegen diese Klassifizierung ihrer Romane "Der Report einer Magd" (1989 verfilmt von Volker Schlöndorff) und "Oryx und Crake" gewehrt. Sie meint dazu: "In Science-fiction kommen Monster und Raumschiffe vor. Hingegen kann das, was in spekulativer Prosa vorkommt - und in diese Schublade würde ich diese zwei Romane stecken - wirklich passieren." Trotzdem erhielt "Der Report einer Magd" 1986 den Arthur C. Clarke Award für die beste Science-fiction-Prosa.

Margaret Atwood wurde schnell auch als scharfzüngige Literaturkritikerin und -wissenschafterin bekannt. Ihr großes Interesse an kanadischer Geschichte und Literatur mündet in einigen Standardwerken ( zB "Survival: A thematic guide to Canadian Literature", 1972) und findet auch in ihrem Prosawerk Niederschlag, in den historischen, halb-fiktionalen Büchern wie "The Journals of Susanna Moodie"(1970), "Alias Grace" (1996) und "Der blinde Mörder" (2000).

Margaret Atwood beschäftigt sich seit Beginn ihrer schriftstellerischen Karriere mit vielen gesellschaftspolitischen Themen, vor allem mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft wie in ihren Werken "Die essbare Frau" (1985), "Die Unmöglichkeit der Nähe"(1979), "Die Räuberbraut" (1993), und "Penelopiade" (2005).

Neben den feministischen Standpunkten, die sie in ihrer Prosa vertritt, wendet sie sich auch anderen Brennpunkten zu, wie in ihrer neusten Veröffentlichung "Payback" (2009) der internationalen Finanzkrise.

Margaret Atwood und ihr Mann Graeme Gibson sind engagierte Mitgliederder "Green Party of Canada" und leben nach ihren umweltpolitischen Überzeugungen.

In den letzten Jahren wurde Margaret Atwood auch als Kinderbuchautorinpopulär. Mit wunderbarem Humor schrieb sie unter anderem "Prinzessin Prunella und die purpurne Pflaume" (1995), "Rotznase Ramsay und die röhrenden Radieschen" (2005).

Neben vielen anderen Auszeichnungen erhielt Margaret Atwood für ihren Roman "Der blinde Mörder" (The Blind Assassin) im Jahr 2000 den Booker-Preis. 2008 wurde sie in Spanien für ihr Lebenswerk mit dem Prinz-von-Asturien-Preis ausgezeichnet.

Werke in deutscher Sprache:

Romane:

1969 (D: 1985) Die essbare Frau (The Edible Woman)
1972 (D: 1978) Der lange Traum / Strömung (DDR) (Surfacing)
1976 (D: 1984) Lady Orakel (Lady Oracle)
1979 (D: 1980) Die Unmöglichkeit der Nähe (Life before Man)
1981 (D: 1982) Verletzungen (Bodily Harm)
1985 (D: 1987) Der Report der Magd (The Handmaid’s Tale)
1988 (D: 1990) Katzenauge (Roman) (Cat’s Eye)
1993 (D: 1994) Die Räuberbraut (The Robber Bride)
1996 (D: 1996) Alias Grace (Alias Grace) 1974 schrieb Atwood zum gleichen Thema das Fernsehspiel The Servant Girl (Das Dienstmädchen)
2000 (D: 2000) Der blinde Mörder (The Blind Assassin)
2003 (D: 2003) Oryx und Crake (Oryx and Crake)
2005 (D: 2005) Die Penelopiade (The Penelopiad)
2008 (D: 2009) Payback

Prosasammlungen:

1978 (D: 1979) Unter Glas (Dancing Girls and other stories)
1983 (D: 1993) Die Giftmischer: Horror-Trips und Happy-Ends
(Murder in the Dark)
1989 (D: 1994) Der Salzgarten (Bluebeardös Egg)
1991 (D: 1991) Tips für die Wildnis (Wilderness Tips)
1992 (D: 1995) Gute Knochen (Good Bones)
2006 (D: 2006) Das Zelt (The Tent)
2008 (D: 2008) Moralische Unordnung (Moral Disorder)

Gedichte:

1981 True Stories (1999 deutsche Ausgabe: Wahre Geschichten)
1995 Morning in the Burned House (1999 deutsche Ausgabe: Ein Morgen im verbrannten Haus)

Kinderbücher:

1978 Hoch oben im Baum (Up In The Tree)
1995 Prinzessin Prunella und die purpurne Pflaume
(Princess Prunella and the Purple Peanut)
2005 Rotznase Ramsay und die röhrenden Radieschen
(Rude Ramsay and the Roaring Radishes)
2006 Der befangene BOB und die traurige THEODORA
(Bashful Bob and Doleful Dorinda)

Biografie Margaret Atwood

Programm

  • Samstag 17. Oktober 2009
    • 17 bis 19.45 Uhr Penelopiade; von Heldinnen und Suchenden
      Das andere Haus es liest Birgit Minichmayr
      Margaret Atwood im Gespräch mit Katja Gasser über das Frauenbild in ihrem Werk
      Eine Halbgöttin zu sein ist nicht so leicht es lesen Sylvia Haider, Matthias Hartmann, Verena Roßbacher, Thomas Stangl und Bibiana Zeller
    • 20.30 bis 22 Uhr
      Margit Schreiner über Margaret Atwood
      Alias Grace es liest Corinna Harfouch
  • Sonntag 18. Oktober 2009
    • 15 bis 17.45 Uhr Die Unmöglichkeit der Nähe
      Die Unmöglichkeit der Nähe es lesen Andrea Clausen und Falk Rockstroh
      Margaret Atwood im Gespräch mit Dirk Stermann über die verschiedenen literarischen Formen und die politische Dimension ihres Werkes.
      Ein Morgen im verbrannten Haus es liest Elisabeth Orth
      Thylazin-Ragout es liest Dirk Stermann
    • 18.30 bis 20 Uhr Vergangenheit und Zukunft
      Katzenauge es lesen Gerti Drassl und Nicola Kirsch
      Das Jahr der Flut es lesen Margaret Atwood und Götz Spielmann

viennale2008 Viennale Heidenreichstein 2008 Viennale Heidenreichstein 2008

Programm

  • Freitag 27. Juni
    • Eröffnung | 18 Uhr Elle s'appelle Sabine

      Im Jahr 1983 taucht in Maurice Pialats A Nos Amours eine Schauspielerin auf, wie sie dem Kino nur jedes Jahrzehnt einmal geschenkt wird: Sandrine Bonnaire. Etwa zur gleichen Zeit, als dieser Film entstand, begann der Teenager Sandrine selbst filmische Aufnahmen zu machen, eine Art Tagebuch über sich selbst, ihre Familie, vor allem jedoch über ihre Schwester Sabine. Bei Sabine hatte sich im Laufe ihrer Kindheit langsam eine grundlegende psychische Veränderung vollzogen, eine Art jugendlicher Autismus, der immer stärkere und aggressivere Züge annahm, bis sie schließlich von ihrer hilflosen Familie in eine psychiatrische Behandlung übergeben wurde. Nach tragischen fünf Jahren der Hospitalisierung kehrt ein zutiefst veränderter Mensch zurück.

      Diesem Menschen widmet Sandrine Bonnaire ihre tiefe, liebevolle Aufmerksamkeit, ihre praktische Unterstützung und Hilfe und schließlich jenen kleinen, manchmal traurigen und zugleich unendlich zärtlichen Film. Elle s’appelle Sabine ist eine mutige Arbeit, weil sie ein Stück private Geschichte öffentlich macht, ein Eingeständnis der Hilflosigkeit und eines immer neuen geduldigen Bemühens. „Kommst du morgen wieder?“, fragt Sabine in zwanghafter ängstlicher Wiederholung ihre Schwester. Die Antwort ist jene schöne, filmische Liebeserklärung.

    • 20 Uhr Filmgespräch | Hans Hurch im Gespräch mit Götz Spielmann
    • 21 Uhr Revanche

      A 2007, 121 Min, OF | R Götz Spielmannn

      Revanche ist die Geschichte einer heimlichen Liebe im Wiener Halbweltmilieu zwischen dem Kleinkriminellen Alex und der ukrainischen Prostituierten Tamara. Beim Versuch, sich aus dem gewalttätigen und erniedrigenden Leben zu befreien, geschieht ein tragisches Missgeschick. Ein von Alex geplanter Banküberfall endet mit Tamaras Tod. Verzwickt in eine unentwirrbare Mischung aus Schuld, Rache und Verzweiflung sucht Alex Revanche und Genugtuung. Der neue Film des Regisseurs Götz Spielmann ist eine Ausnahmeerscheinung im österreichischen Kino und mit Sicherheit eine der schlüssigsten und interessantesten Arbeiten der letzten Zeit. Was Spielmanns Stärke ausmacht und seinen Film von manchen Halbherzigkeiten und Klischees anderer heimischer Filme unterscheidet, ist die Genauigkeit und Selbstverständlichkeit der Milieuschilderung, sowohl was das Leben in der Stadt als auch am Land angeht, die realistische Konstruktion und Darstellungsweise seiner Figuren und der spannende narrative Bau seiner Geschichte. Revanche ist nicht mehr und nicht weniger als ein Glücksfall im Kino dieser Tage.

  • Samstag 28. Juni
    • 18 Uhr A nos amours

      F 1983, 95 Min, franz., OmU | R Maurice Pialat

      Bis heute gilt der 1983 entstandene Film A Nos Amours als eine der wichtigsten und schonungslosesten Auseinandersetzungen mit der Welt des Erwachsenwerdens, den Erwartungen und Verunsicherungen einer Generation zwischen jugendlichem Aufbegehren und den ersten wilden Versuchen einer ersten, radikalen Selbstbestimmung. 1983 als wichtigster französischer Film des Jahres mit dem César ausgezeichnet, war A Nos Amours zugleich die Geburtsstunde einer der größten und eigenwilligsten Schauspielerpersönlichkeiten des europäischen Kinos, der damals knapp 16-jährigen Sandrine Bonnaire. "Endlich hat das französische Kino ein neues Gesicht", schrieb damals "Le Monde" begeistert, "ein Mädchen, das nicht von der Schauspielschule oder aus den Pariser Salons kommt, sondern eine raue, lebendige Erscheinung aus einem anderen Frankreich."

    • 20 Uhr Filmgespräch | Hans Hurch im Gespräch mit Michael Kreihsl und David Schalko
    • 21 Uhr Die Siebtelbauern

      A 1998, 98 Min, OF | R Stefan Ruzowitzky

      Im ländlichen Milieu der österreichischen Voralpen, irgendwann vor Beginn des zweiten Weltkrieges, siedelt Stefan Ruzowitzky seine Fabel über sieben Knechte an, die nach dem Tod ihres Herrn dessen Hof erben und beschließen, diesen selber zu bewirtschaften, entgegen der herrschenden Sitte. Diese Siebtelbauern behaupten sich gegen den Widerstand der hofbesitzenden Dorfbewohner, sie können Schulden abzahlen und Gewinne verbuchen, und ihr eigensinniger Mut und ihr selbstbewusstes Verhalten gegenüber den übrigen Bauern bereitet den Boden für andere Knechte der umliegenden Höfe, um sich ihr Leben nicht von ihren Herren diktieren zu lassen. Über die gängigen Klischees des alten Heimatfilms und enge Genregrenzen hinweg, erzählt Ruzowitzky diese ungewöhnliche und zugleich archaische Geschichte von den sieben Knechten mit filmischem Witz und Einfallsreichtum und einer eigensinnigen Art von Stilisierung. Die Siebtelbauern ist ein Alpenwestern, ein filmischer Showdown, in dem die alte bäuerliche Ordnung sich noch einmal gegen eine andere, neue Ordnung verteidigen muss. Der vor 10 Jahren entstandene Film wurde mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet und markierte den Anfang einer internationalen Karriere für den Regisseur Ruzowitzky, eine Karriere, die in diesem Jahr mit der Verleihung des Oscars für seinen Film Die Fälscher einen neuen Höhepunkt erreicht hat.

  • Sonntag 29. Juni
    • 11 Uhr Football Under Cover

      D 2008, 85 Min, dOF | R Ayat Najafi, David Assmann

      Teheran im April 2006. Vor einigen tausend jubelnden Frauen findet das erste offizielle Fußballspiel zwischen der Frauennationalmannschaft des Iran und einer Berliner Mädchenbezirksmannschaft statt. Alle Frauen spielen im traditionellen Tschador, Männern ist der Besuch des Spiels untersagt und nach 90 Minuten wird auf den Tribünen ausgelassen gesungen und getanzt.

      Football Under Cover ist die Vorgeschichte und Geschichte eines Fußballspiels, das viel mehr ist als ein einfaches sportliches Ereignis. Die Kreuzberger Fußballerinnen sind ein ziemlich lustiger Haufen, viele stammen selbst aus muslimischen Familien, aber die Kultur und Haltung ihrer iranischen "Gegnerinnen" ist ihnen längst fremd und unverständlich. Unpraktisch sei es schon, mit dem Kopftuch und im Gewand zu spielen, sagt Susu, die Linksverteidigerin, aber es gehe. Football Under Cover heißt dieser kleine Dokumentarfilm, der bei der Berlinale ein riesiger Publikumserfolg war und das originelle, manchmal etwas amateurhafte Erstlingswerk eines jungen Filmstudenten und seiner vier Geschwister ist. Fußball, wie man ihn noch nie gesehen hat, als Vorspiel zum Finale der Europameisterschaft.

    • 20 Uhr Live-Übertragung EM-Finale

2008 Literatur im Nebel 2008 Jorge Semprún Literatur im Nebel 2008 Jorge Semprún

"Das Leben als Fluss, als Fließen ist eine romanhafte Erfindung. Eine erzählerische Beschwörung, ein Trick des Ego, um an sein ewiges, zeitloses Dasein glauben zu lassen und um sich selbst davon zuüberzeugen, indem man sein eigener Biograph, der Romancier seiner selbst wird."

Jorge Semprún

Literatur im Nebel versteht sich als Literaturfest für und rund um einen hervorragenden Autor, das abseits des Festspielkalenders heuer zum dritten Mal stattfindet. Nachdem Salman Rushdie und Amos Oz in den letzten beiden Jahren der Einladung von Literatur im Nebel nach Heidenreichstein im nördlichen Waldviertel gefolgt sind freuen wir uns sehr, dass wir mit unserem diesjährigen Gast Jorge Semprún einen großen Schriftsteller und Intellektuellen präsentieren dürfen, dessen Werk und Biographie die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt. Der gebürtige Spanier mit Wohnsitz in Paris und Madrid verarbeitet in vielschichtigen literarischen Darstellungen insbesondere seine persönlichen Erfahrungen aus der Résistance und aus dem Konzentrationslager Buchenwald. Die jahrelange illegale Tätigkeit als Chefagent der kommunistischen Partei im antifranquistischen Kampf und der spätere Ausschluss aus der Partei, sein Leben im Exil und sein Wirken als spanischer Kulturminister unter Felipe González lassen ihn zum Kronzeugen im Zeitalter der Extreme werden.

Jorge Semprún hat nicht nur mit seiner belletristischen Arbeit, sondern auch als Drehbuchautor Weltruhm erlangt. Er schrieb unter anderem für den Regisseur Costa-Gavras das Drehbuch für "Z" und "L´aveu", für Alain Resnais "La guerre est finie" und "Stavisky", für Yves Boisset "L´attentat" und für Perre Granier-Deferre "Une femme à sa fenêtre".

Sein literarisches Schaffen wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1994, dem Weimar-Preis 1995, dem Literaturpreis der Menschenrechte 1995, dem Jerusalem-Preis 1997, dem Premio Nonino 1999, dem rumänischen Ovid-Preis 2002, der Goethe-Medaille 2003, dem spanischen Literaturpreis der Jose-Manuel-Lara Stiftung 2004, dem Bruno Kreisky-Preis für sein Gesamtwerk 2005 und dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2006. 

Zu den wichtigsten Werken des 1923 in Madrid geborenen Jorge Semprúnzählen "Die große Reise" (1963), "Der 2.Tod des Ramón Mercader" (1974), "Federico Sánchez: Eine Autobiographie (1978)", "Was für ein schöner Sonntag!" (1981), "Yves Montand: Das Leben geht weiter" (1984), "Algarab'a oder Die neuen Geheimnisse von Paris" (1985), "Der weiße Berg" (1986), "Netschajew kehrt zurück" (1989), "Europas Linke ohne Utopien" (1994), "Federico Sánchez verabschiedet sich" (1994), "Schreiben oder Leben" (1995), "Schweigen ist unmöglich" (1997), "Unsere allzu kurzen Sommer" (1999), "Die Ohnmacht" (2000), "Der Tote mit meinem Namen" (2002), der Essayband "Blick auf Deutschland" (2003) und "Was es heißt, Europäer zu sein", das er 2006 zusammen mit Dominique de Villepin verfasste. 1999 wurde das Theaterstück "Bleiche Mutter, zarte Schwester" in Weimar uraufgeführt.

Biografie Jorge Semprún
Biografie Costa-Gavras

Programm

  • Freitag 24. Oktober 2008
    • 17 bis 19.15 Uhr Die große Reise - Leben und Überleben in Buchenwald
      Schweigen ist unmöglich; es lesen Olga Flor, Eva Menasse, Peter Turrini, Franziska Augstein, Jorge Semprún, Costa-Gavras
      Die große Reise; es liest Elisabeth Orth
      Was für ein schöner Sonntag! es lesen Anne Bennent und Xaver Bayer
      Musik von Hans Platzgumer, Video von Georg Gaigl
    • 20 bis 22 Uhr Von Treue und Verrat - Jorge Semprún und sein Jahrhundert
      Vortrag von Franziska Augstein
      Jorge Semprún im Gespräch mit Franziska Augsteinund Robert Schindel
      Der 2.Tod des Ramón Mercader; es lesen Mavie Hörbiger, Joachim Bißmeier und Gregor Bloéb
  • Samstag 25. Oktober 2008
    • 17 bis 19.15 Uhr Z - La guerre est finie - Das filmische Schaffen von Jorge Semprún
      Vortrag von Gerhard Midding
      Jorge Semprún und Costa-Gavras im Gespräch mit Gabriele Flossmann
      Z/La guerre est finie/Stavisky; es lesen aus den Drehbüchern Anne Bennent, Sophie Rois, Markus Hering, Michael Maertens und David Schalko
    • 20 bis 21 Uhr Europa - Zustand und Ausblick
      Was es heißt, Europäer zu sein; es lesen Vladimir Vertlib und Michael Stavaric
      Jorge Semprún, Vladimir Vertlib und Michael Stavaric im Gespräch mit Lorenz Gallmetzer
    • 21 bis 22 Uhr Federico Sánchez verabschiedet sich - Abschied und Neubeginn
      es lesen Jorge Semprún und: Xaver Bayer, Dimitré Dinev, Olga Flor, Eva Menasse, Robert Menasse, Lydia Mischkulnig, Angelika Reitzer, David Schalko, Robert Schindel, Michael Stavaric, Vladimir Vertlib

viennale2007 Viennale Heidenreichstein 2007 Viennale Heidenreichstein 2007

Programm

  • Donnerstag 7. Juni
    • 20 Uhr Eröffnung | Hans Hurch: Kleine Rede zum Kino
    • Film: ZEIT DES ABSCHIEDS

      CH 2006, 63 Min, dOF | R Mehdi Sahebi

      In dieser zutiefst berührenden und momenthaft verstörenden Dokumentation ist es der Tod selbst, der sichtbar wird, das langsame Vergehen und Sterben des krebskranken, heroinsüchtigen Giuseppe Tommasi, eines verrückten, weisen, humorvollen, leidenden, zutiefst menschlichen Wesens. Ohne einen Moment von Voyeurismus, falscher Neugier oder Sentimentalität begleitet Sahebi seinen Freund durch die Krankheit, bis zum letzten Atemzug. Was er aufzeichnet, sind die Gespräche, die Unvernunft, die Schönheit, der Kampf und die Versöhnung eines Menschen mit sich. Ein Film, der das fast Unmögliche tut: einem Menschen zusehen und zuhören, den der Tod anblickt.

  • Freitag 8. Juni
    • 18 Uhr Film PRINZESSINNENBAD

      Österreichische Erstaufführung
      D 2006, 92 Min, OF | R Bettina Blümner

      Im Mittelpunkt des Films stehen die Teenager Klara, Mina und Tanutscha aus Berlin-Kreuzberg. Die drei kennen sich seit dem Kindergarten und sie verbinden viele Gemeinsamkeiten. S ie sind 15 Jahre alt, beste Freundinnen und verbringen den Sommer im Prinzenbad, einem großen Freibad inmitten ihres Stadtteils, ihrem "Prinzessinnenbad" Die drei fühlen sich "erwachsen", behaupten von sich, die Kindheit schon lange hinter sich gelassen zu haben. "Prinzessinnenbad" ist die wunderbare und einfühlsame Beschreibung eines alltäglichen Lebens, das voller Widersprüche, Schwierigkeiten, Glück und verrückter Hoffnungen ist. Ein Film wie der Sommer im Schwimmbad inmitten einer großen Stadt.

    • 20 Uhr Gespräch "Der Traum von einer Sache"
      Marlene Streeruwitz im Gespräch mit Michael Kreihsl
    • 21 Uhr Film BAMAKO

      F / Mali / USA 2006, 118 Min, OmdU | R Abderrahmane Sissako

      Im Hinterhof eines Hauses im malischen Bamako findet eine außergewöhnliche Veranstaltung statt. Hier, mitten in der Sahel-Zone, wird Gericht gehalten. Der Gegenstand des Prozesses: das Volk von Mali, der Kontinent Afrika gegen die Weltbank. Natürlich ist das eine reine filmische Inszenierung im besten Brecht'schen Sinne. Sissakos neueste Arbeit ist ein so großartiges, propagandistisches Lehrstück, ein so intelligenter, politischer, begeisternder Film, wie er im gegenwärtigen Kino sehr, sehr selten geworden ist. "Bamako" zählte zu den schönsten und relevantesten Arbeiten der gesamten VIENNALE 2006.

  • Samstag 9. Juni
    • 18 Uhr Film ICH MUSS DIR WAS SAGEN

      A 2006, 65 Min, OF | R Martin Nguyen

      "Ich muss dir was sagen" ist die dokumentarische Langzeitbeobachtung des vierjährigen Zwillingspaars Oskar und Leo. Oskar ist seit seiner Geburt gehörlos, Leo hörend. Die Kinder wachsen jedoch gemeinsam mit einer Sprache auf, welche in der Stille ihre Entfaltung findet: Gebärdensprache. Nguyen beobachtet die Kinder während eines Jahres aus nächster Nähe beim Heranwachsen und Entdecken der Welt. Dabei geht der Film auch der Frage nach, was die Diagnose "gehörlos" für die hörenden Eltern Sandra und Stefan bedeutet.

    • 20 Uhr Gespräch: Viennale im Kreuzverhör
      Hans Hurch im Gespräch mit Stefan Grissemann
    • 21 Uhr Film LA SECONDA VOLTA

      I/F 1997, 80 Min, OmdU | R Mimmo Calopresti

      Im kalten, winterlichen Turin begegnet der Universitätsprofessor Alberto Sajevo einer jungen Frau. Er erkennt in ihr jene Attentäterin, die ihn vor zwölf Jahren bei einem Terroranschlag mit einem Schuss schwer verletzt hat und dafür eine dreißigjährige Gefängnisstrafe verbüßen muss. Lisa, die tagsüber in der Stadt arbeitet, abends aber ins Hochsicherheitsgefängnis zurückkehren muss, erkennt ihr ehemaliges Opfer zunächst nicht. Sajevo jedoch ist davon besessen, ihr all jene Fragen zu stellen, die sich in den zwölf Jahren in ihm aufgestaut haben. Vielleicht aber gibt es gar keine Antworten auf diese Fragen.

  • Sonntag 10. Juni
    • 12 Uhr Film: I HAVE NEVER FORGOTTEN YOU - THE LIFE AND LEGACY OF SIMON WIESENTHAL

      Österreichische Erstaufführung
      USA 2006, 103 Min, OF | R Richard Trank

      Der Film schildert Leben und Vermächtnis Simon Wiesenthals, des berühmten Nazijägers und Humanisten, der im Jahr 2005 gestorben ist. Der gebürtige Ukrainer Wiesenthal, ein säkularer Jude, der den Holocaust überlebte, aber in den KZs neunundachtzig Verwandte aus der eigenen und der Familie seiner Frau verlor, widmete mehr als sechs Jahrzehnte seines Lebens der Verfolgung von Nazi-Kriegsverbrechen. Der Film schildert Wiesenthals gesamtes Leben - die Kindheit in der Ukraine, seine Erfahrungen im Holocaust, seine Jahre als Nazijäger. Er enthält Interviews mit langjährigen Mitstreitern Wiesenthals, mit Regierungschefs aus aller Welt, mit Freunden und Familienmitgliedern wie auch eine Vielzahl bisher unveröffentlichter Archivbilder und -filme. Wiesenthals einziges Kind, seine Tochter Pauline, tritt auf und spricht erstmals über ihre Eltern und deren fast siebzig Jahre währende Beziehung.

2007 Literatur im Nebel 2007 Amos Oz Literatur im Nebel 2007 Amos Oz

"Das Wort Kompromiss hat einen ungemein schlechten Ruf in der europäischen Geselschaft, besonders unter den jungen Idealisten. Für sie sind Kompromisse Ausdruck von Opportunismus, ein Syndrom für Feigheit.
Nicht so in meinem Vokabular.
Das Wort Kompromiss bedeutet für mich Leben."

Amos Oz


Nach dem vielbeachteten Auftakt von Literatur im Nebel mit Salman Rushdie im vergangenen Herbst wird Heidenreichstein im nördlichen Waldviertel erneut zum Schauplatz für dieses Literaturfest, das sich - abseits des Festspielkalenders - als Fest für und rund um einen herausragenden Schriftsteller versteht.

Dieses Jahr konnte der international bekannteste israelische Schriftsteller Amos Oz (zur Biografie) gewonnen werden, dessen Werk vielfach ausgezeichnet wurde. (zum Werkverzeichnis)

Amos Oz ist gleichermaßen Romancier wie auch als Gründungsmitglied der Friedensbewegung Peace Now politisch denkender und agierender Zeitgenosse. (zum Essay)

In beiden Funktionen ist er als Analytiker der israelischen Geschichte und Gegenwart unverzichtbar. Mit unserem Programm wollen wir seiner stilistischen und inhaltlichen Vielfalt und Virtuosität gerecht werden.

Prominente Künstlerinnen und Künstler haben ihre Teilnahme bereits zugesagt, darunter Klaus Amann, Senta Berger, Andrea Eckert, Gustav Ernst, Sabine Gruber, Silke Hassler, Peter Henisch, Bettina Hering, Paulus Hochgatterer, Gert Jonke, Brigitte Karner, Roland Koch, Dietmar König, Karl Markovics, Eva Mattes, Anna Mitgutsch, Elisabeth Orth, Anita Pollak, Doron Rabinovici, Thomas Sautner, Robert Schindel, Ben Segenreich, Gerhild Steinbuch, Peter Turrini. 

Programm

  • Samstag 27. Oktober 2007
    • 17 bis 19 Uhr Leben und Schreiben in Israel
      Einführende Lesung von Eva Mattes
      Vortrag von Doron Rabinovici
      Amos Oz im Gespräch mit Ben Segenreich
      Das Gelobte Land - es lesen Gert Jonke, Karl Markovics, Elisabeth Orth
    • 20 bis 22 Uhr Israel
      Bericht zur Lage des Staates Israel / Wie man Fanatiker kuriert - mit Gustav Ernst, Sabine Gruber, Silke Hassler, Peter Henisch, Paulus Hochgatterer, Anna Mitgutsch, Thomas Sautner, Gerhild Steinbuch, Peter Turrini, Amos Oz
      Jude sein - Lesung von Karl Markovics
  • Sonntag 28. Oktober 2007
    • 17 bis 19.30 Uhr Familiengeschichten
      Wie ich zum Schriftsteller wurde mit Andrea Eckert, Roland Koch
      Vortrag von Klaus Amann
      Amos Oz im Gespräch mit Anita Pollak
      Familiengeschichten - Lesung von Brigitte Karner, Dietmar König, Robert Schindel
    • 20.30 bis 21.30 Liebesgeschichten
      Erste Liebe - Lesung von Senta Berger und Amos Oz

2006 Literatur im Nebel 2006 Salman Rushdie Literatur im Nebel 2006 Salman Rushdie

"What is freedom of expression?
Without the freedom to offend, it ceases to exist."

Salman Rushdie


Wenn sich im Herbst der Nebel über das nördliche Waldviertel senkt, verleitet dies zur Introspektion. Zum Nachspüren. Zum genaueren Hinhören.
Heidenreichstein ist Austragungsort eines neuen Literaturfestivals. Abseits des geläufigen Veranstaltungskreises, zu einem Zeitpunkt, der abseits des Festspielkalenders liegt.

"Literatur im Nebel", kommenden Oktober erstmals ausgetragen, versteht sich als Fest für und rund um herausragende Schriftsteller. Zum Auftakt konnte ein Weltstar der Literatur gewonnen werden: Salman Rushdie.

Am 18. und 19. Oktober 2006 werden in Lesungen, Vorträgen und Diskussionen Schwerpunkte seiner literarischen Arbeit besprochen. Prominente Künstlerinnen und Künstler haben ihre Teilnahme bereits zugesagt, darunter Senta Berger, Andrea Eckert, Monika Helfer, Michael Köhlmeier, Robert Menasse, Erika Pluhar, Robert Schindel und Peter Turrini.

ORF / 3sat wird als Kooperationspartner eine Dokumentation über das Literaturfestival "Literatur im Nebel" produzieren, in der Salman Rushdie als Protagonist durch die Sendung führt.

Programm

  • Mittwoch 18. Oktober 2006
    • 17 bis 19 Uhr Kulturbrüche
      Salman Rushdie im Gespräch mit Gudrun Harrer
      Lesungen von Michael Köhlmeier, Robert Menasse, Danielle Spera
      Vortrag von Franz Vranitzky
    • 20 bis 22 Uhr Indien
      Salman Rushdie im Gespräch mit Aradhana Seth
      Lesungen von Angela Krauß, Elisabeth Orth, Doron Rabinovici, Robert Schindel
  • Donnerstag 19. Oktober 2006
    • 17 bis 19 Uhr Liegesgeschichten
      Salman Rushdie im Gespräch mit Marie Zimmermann
      Lesungen von Brigitte Antonius, Monika Helfer, Peter Turrini
      Vortrag von Wendelin Schmidt-Dengler
    • 19.30 Uhr Lesung
      Salman Rushdie und Erika Pluhar
    • ab 21 Uhr Fest
      in der Avalon-Anderswelt / Heidenreichstein
      Musik Nim Sofyan